Punkt 12.00 Uhr ging es dann auch schon los. Driver Jöggu hatte uns von seiner Bude einen abschliessbaren Kastenwagen für den Materialtransport organisieren können. Für den Personentransport diente uns Urfi’s neuer Müpro-Bus. Via Gontenschwil ging es nach Geuensee in den EXIT-Proberaum zum Laden und dann auch schon ab auf die Autobahn Richtung Bern. Ohne grössere Verkehrsprobleme ging die Fahrt rasch voran. Einzig die Tatsache, dass im Materialbus die Musikauswahl enorm gering (oder um es deutlich auszudrücken richtiggehend beschränkt war) schmälerte die Freude an der langen Fahrt ein wenig. Das Gefährt war leider nur mit einem Autoradio und Kassettendeck ausgestattet. Genau gesagt hörte man im Radio nur ein Rauschen. Entweder war das Ding defekt oder es wurde auf allen Sendern gleichzeitig eine Liveübertragung eines Lawinenniedergangs ausgestrahlt – tippe Mal auf Putt! Somit konzentrierten wir uns auf die Kassetten (Hinweis für jüngere Leser: Das sind die Dinger mit dem Magnetband innen drin). Wenigstens hatte uns Ferdi noch vier alte Tapes auftreiben können. Zwei EAV Alben, eine Kiss-Kassette und der sensationelle Soundtrack vom 80er Jahre Action-Blockbuster „Iron Eagle“ unterhielten uns für die nächsten knapp drei Stunden. Stöhn! Das Kiss-Tape war natürlich in Ordnung aber nach dem dritten Durchgang auch schon ein bisschen langweilig. Danach wurde es nur noch – hüstel – NICHT besser! Dafür durfte man in diesem Vehikel Rauchen! Man konnte sich also in aller Ruhe die Lunge teeren, währenddem das Gehirn von Pop-Musik aufgeweicht wurde – um es mit den Worten der Ersten Allgemeinen Verunsicherung auszudrücken - Ein Prost auf Ungarn-Österreich!

In Kandersteg mussten die Busse auf die Bahn verladen werden. Vorher gab es aber noch das erster Bier des Tages. Jawohl richtig gelesen! Wir waren vernünftiger als beim letzten Wallis-Trip und hatten im Vorfeld kein Bier gekauft. Beim letzten Mal war der Bus bis unters Dach mit Halbliter-Dosen gefüllt und die Musiker entsprechend vor dem Autoverlad schon „Verladen“. Bei strahlendem Sonnenschein und stahlblauem Himmel genossen wir den eisgekühlten Gerstensaft – lecker!

Nach der kurzen Fahrt durch den Tunnel war es dann auch nicht mehr weit bis nach Naters. Wir waren rechtzeitig vor Ort und quartierten uns erst Mal im Hotel ein. Der Besitzer hatte gegenüber vom letzten Mal gewechselt. Sein Blick war ähnlich skeptisch wie der seines Vorgängers. Kritisch, ängstlich, beunruhigt mit rollenden Augen! Wie der Hirsch, welcher kurz vor dem fatalen Blattschuss, vielleicht noch das leise Klicken des Abzuges wahrnimmt, bevor er zu Boden geht! Scheissgefühl! Aber keine Sorge – die wollen nur spielen hehehe! Also auf zur Location! Zügig wurde alles aufgestellt. Mischer „Wolfi“ war ebenfalls bereits vor Ort. Er hatte extra seinen soeben angetretenen Ski-Urlaub für einen Abend unterbrochen und war von der Alp ins Tal gepilgert, um die beiden Bands zu mischen. Du bist der Beste Wolfi – Danke! Leider gab’s danach ein paar technische Probleme, welche den Zeitplan über den Haufen warfen. Stecker mussten gewechselt werden, die Anlage lief auf Anschlag und das neue Mischpult musste auch noch erforscht werden. So mampften wir die Pizza quasi während dem Soundcheck. Den Gitarristen flogen die Plektren, aufgrund der fettigen Finger, gleich reihenweise um die Ohren haha! Was für ein Bild. Zum Schluss klappte aber dann doch noch alles und man konnte sich auf den Abend freuen. Da das Hotel nur 10 Gehminuten vom Club entfernt war, gingen wir noch mal zurück auf unsere Zimmer. Eine weitere, alkoholbedingte Sicherheitsvorkehrung, welche sich später noch bezahlt machen sollte.

Als wir gegen 21.30 Uhr wieder ins Moshpit kamen, war der Laden schon gut gefüllt. Alles in allem sollten es so gegen die 150 Eintritte werden. Die Jungspunde von „SACRA“ eröffneten den Abend mit hartem Death/Grind Sound! Die Band spielt seit knapp einem halben Jahr in dieser Formation zusammen und hatte bislang zwei, drei Konzerte. Entsprechend war die Nervosität spürbar! Die Kerle machten aber einen guten Job und pfefferten den Anwesenden ein gutes Pfund in die Fresse! Trotzdem waren die vier nicht ganz zufrieden mit Ihrem Auftritt und so war Selbstkritik angesagt. Angeblich hatte sich der eine oder andere Fehler eingeschlichen. Dem Publikum, welches die Songs noch gar nicht oder zumindest nicht aus dem FF kannte, war dies jedoch egal und so gab es nach dem Auftritt haufenweise, verdiente Schulterklopfer und ein paar aufmunternde Worte von unserer Seite! Der Ehrgeiz, die Leidenschaft für harten Sound und das Talent sind auf jeden Fall vorhanden – also macht weiter so!!

Danach hiess es Bühne frei für EXIT! Die Surseer haben, nach einigen Auftritten in dieser Region, einen ganz besonderen Draht zum Wallis! Die Eigenkompositionen von mittlerweile 15-Jahren Bandgeschichte sind gerade hier sehr angesagt! Im Vorfeld hatten sich bereits einige Fans per E-Mail oder SMS gemeldet und die Vorfreude auf das Konzert in elektronischer Form preisgegeben. Entsprechend motiviert machten sich die vier Akteure ans Werk! Gemäss Frontmann Beni „The Animal“ Sax, hatte ihnen beim letzten Mal Kollege Lallohol ein bisschen zu sehr ins Handwerk gepfuscht. Das wollten sie dieses Mal besser machen und dies gelang vorzüglich! Was für ein Brett!! Sowohl die vielen schnellen Passagen, als auch die atmosphärischen, teils akustischen Zwischenteile, wurden präzise durchgezockt. Trotz der technisch anspruchsvollen Songs, mit viel Liebe zum Detail, war stets Bewegung auf der Bühne. Da wurde die langjährige Bühnenerfahrung voll und ganz ausgeschöpft. Es wurde gebangt und gefiedelt, dass es nur so eine Freude war und so floss der Schweiss bei Band und Publikum in Strömen! Nach gut einer Stunde verabschiedete man sich mit der Band-Hymne „We Are EXIT“ und erntete dafür reichlich Applaus – Well fuckin done!! Jetzt stand die Bardame mit ängstlichem Blick, zitternd hinter dem Tresen – der Auftritt von EXIT war vorbei! Vier durstige Kehlen und wimmernde Lebern lechzten nach Bier! Auf sie mit Gebrüll….

Wir hatten uns ebenfalls so gut es ging zusammengenommen und nur je 3 bis 4 Liter Bier gesoffen haha! Nein natürlich nicht! Bereits nach den ersten paar Songs war klar, dass die Walliser-Crowd noch lange nicht genug hatte. Die Stimmung im Moshpit war nach wie vor ausgezeichnet und steigerte sich nach ein paar Klassikern der Marke „Metal Health, Living After Midnight oder Hail And Kill“ noch deutlich. Im Wallis ist der Frauenanteil bei den Konzerten extrem hoch – sehr beeindruckend. So wurden in den ersten Reihen nicht nur die langen Mähnen sondern auch die Milchtänke kräftig durchgeschüttelt und rotiert! Cool! Spielerisch ging alles glatt. Keine grösseren Patzer, keine vergessenen Texte oder ähnliches. Als einer der Höhepunkte des heutigen Abends kristallisiert sich dann „Killing In The Name Of“ heraus! Was da im Publikum abging haben wir in unserer Cover-Karriere noch selten erlebt – grossartig! Natürlich fanden die Walliser auch an den härteren Songs (Roots, Walk usw.) grossen Gefallen und als nach gut 90 Minuten der imaginäre Vorhang viel, waren alle bedient und zufrieden! Grosses Dankeschön an alle die da waren! Wir würden jederzeit wieder die Koffer packen und zu euch in die Sonnenstube der Schweiz reisen!!

Schweissgebadet mischten auch wir uns jetzt unters Publikum. Bier, Wein und Schnaps flossen nun in Strömen und wir lernten endlich den ultimativen Walliser-Party-Tiger kennen. Die EXIT Jungs hatten den Kerl, den sie aufgrund seines Hip-Hop-Outfits, liebevoll „Agro-Goms“ nennen, bei ihrem letzten Open-Air Auftritt in Geschinen kennen gelernt. Optisch mimte er stets den toughen Gangster-Rapper aber eigentlich ist er ganz lieb und so richtig zum knuddeln haha! Das Schaf im Wolfspelz eben! Er wiederum hatte vor allem Gefallen an Bloody Basser Ferdi gefunden. Dieser hatte sich nämlich beim Open-Air als Bodyguard von EXIT ausgegeben und dem Kerl aus Spass mit Schlägen gedroht. „Dummer Spruch – Kieferbruch“! Leider hatte dem „Agro-Goms-Vertreter“ niemand gesagt, dass es sich lediglich um Spass handelte und so war er plötzlich nicht mehr so vorlaut und erbleichte im Angesicht des mächtigen Ferdinand. Nun war aber alles in Butter! Agro-Goms-Man folgte dem Ferdi für die nächsten 2 Stunden auf Schritt und Tritt und unterhielt das ganze Moshpit – köstlich!

Um vier Uhr Morgens machte ich mich mit Stocki auf den Weg ins Hotel – wir waren wohlgemerkt die ersten! Ziemlich angetrunken stapften wir durch die Kälte und bedauerten noch den Typ, der vor dem Club von seiner Freundin mehrmals geohrfeigt wurde! Piff, Paff! Das war bei diesen Minustemperaturen wohl als ob einem eine Abrissbirne gegen die Backen geschleudert wird! Autsch! Das verteilen von Backpfeifen scheint hier um diese Zeit eine Art Volkssport zu sein! Auf dem Heimweg hörte man aus diversen Seitensträsschen Piff, Paff, Piff, Paff! Dies gab einem zumindest ein angenehm, rhythmisches Lauftempo vor, mit dem man relativ zügig zur Unterkunft gelangte.

Der Rest feierte noch munter weiter bis in die sehr frühen Morgenstunden. Einer nach dem anderen trudelte im Hotel Europe ein. Die letzten waren EXIT-Drummer Andi und Bloody-Basser Ferdi mit einem total betrunkenen Marci Peter im Schlepptau. Diese drei tapferen Krieger torkelten irgendwann nach 07.00 Uhr Morgens durch die Gassen von Naters! Kompliment für dieses Durchhaltevermögen. Beim Morgenessen waren dann logischerweise einige nicht dabei! Aber bereits gegen 11.00 Uhr hiess es ja auch schon wieder ab nach Hause. Die ganze Meute stand vor dem Hotel und vertrieb sich die Zeit mit Spässen, Raucherhusten und Schweinsfutzaugen! Ausserdem stellten wir fest, dass es immer noch Leute gab, die den Heimweg bislang noch nicht gefunden hatten. Ein bärtiger Trunkenbold, im fortgeschrittenen Alter, wankte auf dem Gehsteig in unsere Richtung! Hossa! Was für ein Seegang! Wir wissen zwar immer noch nicht wo der „Bartli den Most holt“ dafür aber sehr wohl wo dieser Bartli wohnt – nämlich in Brig!

Der Hotelbesitzer hatte sich in der Zwischenzeit schon ca. 100 Mal nach dem wohlbefinden und vor allem nach dem Aufenthaltsort des Herrn Gysin erkundigt. „Der wird doch wohl noch die Zimmer bezahlen oder?“ murmelte er hinter seinem Tresen hervor. Ach der steht noch unter der Dusche und kommt sicher bald. Nur keine Panik! Ein paar Minuten später tauchte der Ferdinho dann tatsächlich auf und überreichte dem Herrn ein schönes Bündel blauer Scheine! Alles im Lot! Wir verabschiedeten uns und machten gleich bei der ersten Tanke einen Fress-Stop. Mit vollem Magen fährt sich’s einfach besser nach Hause! Ein paar Einheimische schauten sich im Tankstellen-Shop das Skirennen an und zwitscherten schon wieder munter ein paar Bierchen. Das eine oder andere hatte Skirennfahrer Zurbriggen wohl auch intus! Der grosse Rückstand und die kurvige Fahrweise liessen zumindest darauf deuten und einige Zweifel aufkommen. Der Schluss ist schnell erzählt: Hause fahrn, ausräumen, einräumen –fertig! Ein gelungenes Wochenende ging zu Ende! Haufenweise Fotos von diesem Trip gibt es bereits auf der Moshpit Homepage zu betrachten – einfach auf den Konzert-Link klicken und schon geht’s los.

Für uns geht es bereits am diesem Wochenende (4. und 5. Februar) weiter. Da spielen wir Freitag und Samstag zwei Mal mit der Mötley Crüe Coverband „Dr. Crüe“ (aus Barcelona!) im Aargau. Würde uns freuen das eine oder andere bekannte Gesicht vor Ort anzutreffen!

In diesem Sinne bis bald und don’t be the wolf in the sheep’s clothing if your name is not Agro-Goms!!!

Stay heavy

Eure Bloodys

 
   

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