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Die Beteiligten: Stocki, Jöggu (Sepp), Romina, Ursi, Thömmes, Nada, Ich (Salim).
Tag 1: Die Anreise Am 22. Dezember 2008 machen wir uns gegen Mittag auf den Weg nach Zürich. Fernziel dieser Minireise ist eine umso grössere – nämlich nach Südafrika! Genauer gesagt „Kapstadt“, wo Stocki schon seit Oktober 2008 einen Sprachaufenthalt macht. Vorerst geht es aber nur Mal bis zum Hauptbahnhof in Zürich. Die „Möchtegern-Afrikaner“ Ursi, Romina, Jöggu und ich, sowie die Begleitung in Person von Ruth und den Gebrüder Haller besteigen in Sursee den Zug. Man nuckelt teilweise an einem Bierchen und plaudert über dies und das. Die Zugfahrt ist auf jeden Fall relativ kurz, im Gegensatz zu dem, was uns nachher noch erwartet.
In Zürich findet zu diesem Zeitpunkt gerade der Weihnachtsmarkt am HB statt. Kaum aus dem Zug gestiegen, begeben wir uns zum Glühweinstand, an welchen normalerweise „Pocci“ arbeitet. Ausgerechnet an diesem Tag hat er frei. Dies hält uns aber nicht davon ab, ein Paar dieser Glühweine zu probieren. Mein Fall ist dieses Gesöff dann aber wirklich nicht und so wechsle ich bereits nach einem Becher zum Jagertee. Anschliessend geht’s ins „Federal“ einem Lokal, das sich ebenfalls direkt am Bahnhof befindet. In diesem Restaurant gibt es hunderte, verschiedene Biersorten – cool! Wir setzen uns an einen grossen Tisch und bestellen Hopfentee. Mein Bier ist trüb und es schwimmen irgendwelche lustigen Sachen darin herum. Der Aufdruck auf der Etikette „Unfiltriert“ lässt böse Vorahnungen aufkommen und die Rosette kurz zittern. Da hättet ihr ja gleich „Dünnschiss“ aufdrucken können! Die Bedienung in diesem Laden ist enorm unfreundlich und schnauzt uns in breitem „Zürcherslang“ an. Vor ca. 200 Jahren wäre diese Madame mit Bestimmtheit auf dem Scheiterhaufen gelandet, schon nur wegen des Dialekts. Ihre Lieblingsausdrücke sind „Hämmer nööd“ oder im Zusammenhang mit dem Bier „Häll oder Dunkel“, „Trüeb oder Klar“. Je länger der Nachmittag andauert und umso voller wir werden, desto mehr verbessert sich die Laune der Bedienung. Die schon schwer in die Jahre gekommene Dame lächelt sogar ab und zu und packt mich nach dem X-ten dummen Spruch „liebevoll“ an den Ohren – autsch!
Jetzt ist es an der Zeit erneut den Zug zu besteigen und sich an den Flughafen zu begeben. Check-In ist angesagt! In der Flughafenhalle ist es heiss und stickig. Am Schalter begrüsst uns eine hübsche, rothaarige Lady mit breitem Grinsen. „Ihre Pässe bitte“, flötet sie uns zu. Jöggu und Romina bücken sich, um die Papiere aus den Rucksäcken zu kramen. Die Frau am Schalter staunt, als sie sich nach kurzer, geistiger Abwesenheit wieder zu uns dreht und plötzlich nur noch Ursi und ich am Schalter stehen. „Waren sie vorher nicht 4 Personen?“ – Rischtisch!! Aber zwei knien gerade am Boden. „Aha! Pässe suchen hihi“, kichert die Geschminkte. Wenn sie zu dem Zeitpunkt gewusst hätte, dass Romina verzweifelt ihren Pass suchte, wäre dieser Spruch wohl nie über ihre Lippen gewandert. Unterhalb des Schalters knurrt und faucht es schon mächtig, als Jöggu den begehrten Gegenstand zum Glück zwischen zwei Büchern findet – tolles Lesezeichen Frau Cancellara! Die erste Hürde ist zum Glück überwunden und wir checken ein. Durch die Passkontrolle hindurch und ab zum Sicherheitscheck. Alle kommen ohne piepsen durch die Schleuse. Nur bei mir pfeift es wie aus einer billigen Geburtstagskarte aus der Papeterie. „Haben Sie noch was in den Taschen?“ Natürlich nicht! „Dann folgen sie mir bitte in die Kabine“ – toll! Genau das wollte ich doch vermeiden, um nicht wie Haller’s Stefan beim Norwegen-Trip zu wirken und ausgelacht zu werden. Tja! Dann geht’s eben hinter den dunklen Vorhang. Der Sicherheitsbeamte macht sich frisch und zieht neuen Lippenstift auf, schnalzt mit der Zunge und…. Pfui Däivel! Nein! Natürlich läuft das Ganze nicht so ab! Puh! „Ziehen Sie die Schuhe aus!“ Die Treter werden sorgfältig geprüft. „Sie haben Eisen in den Schuhen.“ Ach so! Und ich dachte der schwerfällige Gang komme von dem vielen Bier! Das erklärt natürlich alles. Meine Schuhe machen noch mal eine Runde über das Förderband und gut ist!
Wir gehen zum Dutyfreeshop, um ein Paar Reiseutensilien zu kaufen. In Norwegen war Wodka angesagt, heute gibt es Rum und Gin. Im Norden hiess der Wodka nach dem ersten Tag „Der General“. Beim Rum ist der passende Kosename schon auf der Etikette aufgedruckt „Captain Morgan“ heisst der Schnaps. Cool! Der einäugige Hobby-Pirat zwinkert mir von der Etikette her zu und ich höre eine leise Stimme flüstern: „Wir werden viel Spass zusammen haben harr, harr, harr!“ Eine Gänsehaut bedeckt meine Arme und ich antworte mit zitternder Stimme: „Aye Aye Captain!“ Die Frau an der Kasse schaut mich verdutzt an und kassiert meinen Hunderter grinsend ein. Ab zum Boarding!
Wir begeben uns in den Flieger und nehmen unsere Plätze ein. Die Stewardessen der Emirate-Airlines tragen lustige Hüte mit weissen Schleiern und sind zudem geschminkt wie Sau! Dies erinnert mich an billige Pornofilme, die ich vor vielen Jahren von einem Kumpel ausgeliehen habe und natürlich nie mein Eigentum waren – Ehrenwort – hüstel! Mit einem Ständer sitzt es sich im Flugzeug nicht so gut, also denke ich kurzfristig an einen stinkenden Komposthaufen. Der Schwengel schrumpft und ich setzte mich auf den geräumigen Platz. „Good Evening Ladies and Gentlemen, this is your Captain speaking“ schallt es aus den Lautsprechern. Zu Klängen von arabischer Pop-Musik schalten sich alle Fernseher automatisch ein. Es hat bei jedem Sitz einen Fernseher – juhu! Gleichzeitig erzählt der Pilot, dass man Mobiltelefone und I-Pod’s ausschalten soll, um eventuelle Störungen und Komplikationen zu vermeiden. Hmmm! Und die Fernseher?? Ich bin ja nicht gerade der Technikfreak aber das macht für mich überhaupt keinen Sinn – tja! Der Start verläuft auf jeden Fall problemlos. Kaum in der Luft, fangen auch schon die ersten Kinder an zu weinen und hören nicht mehr auf bis Dubai! Verzweifelt drehe ich das Volumen meines Kopfhörers auf Anschlag. Wenn jetzt der Song „When The Children Cry“ von „White Lion“ anfängt drehe ich durch. Zum Glück ist dies nicht der Fall und so finde ich das „Back In Black“ Album von „AC/DC“ in der grossen Musikauswahl – wow! Anschliessend wird „Hellboy 2“ und diverse andere Filme gekuckt. Vor allem der Film über den Junior des Zweifachgehörnten macht Eindruck und verkürzt die Flugzeit von ca. 6 Stunden enorm.
Als wir in Dubai landen ist es heiss. Diverse Scheiche schleichen am Flughafen umher. In diesem Zusammenhang merke ich, dass mir persönlich die „Scheichen“, sprich die Beine, angeschwollen sind und schmerzen. So bin ich froh über die kurze Laufstrecke bis zur „Smokinglounge“. Die Raucherzone ist völlig unverhältnismässig und viel zu klein! Vor dem Raum bildet sich eine lange Warteschlange. Einige halten es nicht mehr aus und zünden den ersehnten Glimmstängel schon im Flur an. Von weitem sieht man schon die Rauchschwaden durch die Gänge ziehen. Das ist uns zu blöd. Wir laufen weiter und nach ca. 50 Metern finden wir ein Irish Pub. Dort darf man rauchen – yes! Und Bier gibt es auch – juhu! Die kurze Aufenthaltszeit vergeht schnell und so heisst es schon bald wieder Boarding für den Flug nach Kapstadt. Dieser Flug dauert noch länger als der erste. 9 Stunden in diesem verfluchten Ding kommen einem vor wie eine halbe Ewigkeit. Zum Glück ist es nach einiger Zeit dann endlich vorbei und wir landen in „Cape Town“. Der Flughafen ist verhältnismässig klein und trotzdem warten wir länger auf das Gepäck als an grossen Flughäfen. Ich erhalte meinen ersten Stempel in den jungfräulichen Pass und grinse. Wir schnappen unser Gepäck und begeben uns zum Ausgang. Dort wartet schon der Stockmann, braungebrannt und blonder als je zuvor! Nach einer kurzen Begrüssung und einigen Instruktionen durch den Chef geht’s zum Geldwechseln und dann direkt zu unserem Mietwagen. Wer die Sendung „Daktari“ kennt, würde das afrikanische „Papa-Mobil“ sofort erkennen. Mann! Was für ein Auto haha!
Wir brettern über die Autobahn. Der Fahrstil der Afrikaner ist Human, in etwa vergleichbar mit dem der Aargauer! Vom Flughafen weg, führt die Autobahn direkt durch das erste Ghetto. Riesige Mauern mit Stacheldraht und Elektrozäunen fallen einem sofort auf. Die Blech- und Holzhütten sind in katastrophalem Zustand und ehrlich gesagt ist es unvorstellbar, dass dort tausende Menschen leben. Zum Glück ist unsere Unterkunft ca. 30 Fahrminuten weg von diesem Bezirk und wirklich schön gelegen. Wir nehmen unsere Koffer aus dem Wagen und begrüssen „Thömmes“ und „Nada“, die schon einen Tag vor uns angekommen sind. Nun ist die Gruppe komplett und wir öffnen zur Feier des Tages ein einheimisches Bierchen. „Castle Lager“ heisst das Getränk, schmeckt gut und ist im Zusammenhang mit dem „Feldschlösschen“ schon wieder ein Punkt, den man mit der Heimat verbinden kann. Es ist mit knapp 20 Grad und viel Wind relativ kühl. Keiner denkt daran im Pool zu baden.
Nach dem Einräumen und ein paar Bierchen steht das Nachtessen auf dem Programm. Das schicke Restaurant „On The Rocks“ ist unser Fresstempel für heute Abend. Das „Rocks“ liegt direkt am Meer und bietet dadurch eine wunderbare Aussicht. Auf der exquisiten Speisekarte werden vor allem Fisch und Meeresfrüchte angepriesen. Viele entscheiden sich für Fisch und werden nicht enttäuscht. Auch die Fleischteller sind nicht ohne. Lamm und Schwein bis zum Abwinken. Ein Dessert kommt nach dieser Riesenportion gar nicht mehr in Frage. Stattdessen rauchen wir ein paar in der Bar und lassen den langen Tag Revue passieren. Zu Hause begiessen wir die heutigen Erlebnisse mit ein paar Rum-Cola, bevor wir uns schlafen legen. Wir sind angekommen – hurra!
Tag 2: Tafelberg Und Rindsfilet Am Tag nach unserer Ankunft stehen wir ziemlich früh auf. Meine Wenigkeit steht schon um 06.30 Uhr im Garten und raucht eine Marlboro. Es gibt ca. 2 Stunden später ein ausgiebiges Frühstück mit Brot, Rührei, Spiegeleiern, Käse, frischen Früchten, Müsli und allem was das Herz begehrt. Der erste Ausflug steht auf dem Programm. Wir gehen auf den Tafelberg und haben wahrlich Glück mit dem Wetter! Verhältnismässig hat es nicht allzu viele Leute. Die Wartezeit für die Gondelbahn beträgt nur ca. 1 Stunde. Die Seilbahnstrecke ist zwar kurz aber verdammt steil! Ich schaue auf den Boden um die Höhenangst im Zaum zu halten. Dieser dreht sich aber im Kreis und mir wird schlecht. Wenigstens wird die Bahn von zuverlässigen Monteuren aus der Schweiz gewartet! Dies schätzen auch viele Einheimische und Touristen, da das Vertrauen in afrikanische Monteure wahrscheinlich nicht so gross ist. Auf dem Gipfel ist es verdammt kalt aber die Aussicht ist fantastisch! Vom Wahrzeichen dieser Region aus, sieht man, auf 1700 Metern Höhe, ganz Kapstadt und noch viel mehr. Wir wandern auf dem Berg herum und erfinden dabei die Sage vom „Tafelzwerg“, der angeblich zwischen den Felsen haust und Bier trinkt. Die Einheimischen glauben uns kein Wort. Wir begeben uns in das Restaurant auf dem Gipfel, um diese Lügengeschichte mit Kaffee und Bier herunter zu spülen. Nachdem alle nur knapp einer Unterkühlung entgangen sind, fahren wir mit der Seilbahn wieder runter. Im Tal sind die Temperaturen zwar immer noch kühl aber mittlerweile doch viel angenehmer.
Nach dem Ausflug auf den Tafelberg begeben wir uns an die „Waterfront“, der Einkaufsmeile und Touristenattraktion von Kapstadt. Die Ladies vergnügen sich in den zahlreichen Edelboutiquen. „Gucci“ „La Coste“ „Timberland“ und Co. sind alle vertreten und stellen ihre Ware in den Läden und den Schaufenstern zur Show. 2 Stunden Shopping sind angesagt. Komischerweise kommen Stocki und ich nach der Einkaufstour als letzte zum Treffpunkt. Alle sitzen schon im Pub vis à vis, welches „Ferryman’s“ heisst. Bei Bier und Wein werden die Einkäufe kritisch beäugt und bei Gefallen auch bejubelt. Wir entschliessen uns für ein Nachtessen an der Waterfront. Die zahlreichen Restaurants lassen keine Wünsche offen. Wir suchen uns das „City Grill“ aus. Wahnsinn dieser Laden! Der Manager heisst uns willkommen und begleitet uns zum Tisch. Zum Glück hat Stocki reserviert! Ansonsten wäre es wahrscheinlich unmöglich einen Platz zu ergattern. Wir stöbern in der Speisekarte und staunen über die günstigen Preise. 300 g Rindsfilet kostet mit Beilage umgerechnet etwa 18 Franken. Wein und Bier kosten sowieso nicht viel – also los!
Ursi und Romina bestellen das Krokodilsteak, Nada nimmt „Kudu“ und der Rest freut sich über Rind en Masse. Als die Kellnerin mit den Tellern eintrifft, läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Beim ersten Bissen kullert mir beinahe eine Träne über die Wange. Unglaublich wie zart das Fleisch ist und einem beinahe auf der Zunge vergeht. Eine halbe Stunde lang wird quasi nicht geredet, nur gegessen. Wenn es einen Gott gibt, arbeitet in der Kapstadt und zwar genau am Grill von diesem Restaurant! Einfach sensationell!! Das macht Lust auf mehr! Wir beenden das Essen mit Kaffee und Grappa. Einziger Schönheitsfehler an diesem Abend ist der verfickte Italiener am Tisch gegenüber. Dieser Freizeit-Mafioso schlägt permanent sein Kind, das sich nicht nach seinen Vorstellungen benimmt. Der etwa dreijährige Junge bekommt mehrmals die Flache Hand aufs Maul, auf den Kopf und sonst wohin. Die Mutter sitzt daneben und sagt kein Wort. Wahrscheinlich ist sie froh, dass sie die Schläge nicht selber abbekommt. Dies aber wahrscheinlich auch nur, weil sie seine Salami mit geschwollener Fresse später nicht mehr in den Mund nehmen könnte. Hurensohn! Wir bezahlen und verlassen ein wenig angesäuert das Restaurant. Vorher singen noch ein paar schwarz Tenöre, mit gewaltigen Stimmen, Opern und Weihnachtslieder. Eindrücklich! Ein paar Lieder werden auf Italienisch gesungen, was dem Schläger die Röte ins Gesicht steigen lässt – gut so! Nach dem unglaublichen Essen fahren wir zurück in unsere Unterkunft. Die Vermieter, „Remo“ und „Esther“ haben Bier bereitgestellt. Überhaupt kümmern sich die Liechtensteinerin und der Schweizer sehr gut um uns. Wieder gibt es ein paar Bier und „Captains“ auf der Terrasse. Stocki drückt mir Ohropax in die Hand wegen dem Schnarchen. Die sind allerdings nicht für mich, da ich derjenige bin, der während des Schlafens, ganze Wälder umsägt. Die Ohrschützer sind für „Zimmergschpänli“ Ursi. Stolz erfahre ich am nächsten Morgen, dass sie die Dämpfer nicht gebraucht hat. So richtig glaube ich ihr dies aber nicht und auch alle anderen sind skeptisch. Die Wahrheit weiss wohl nur der unantastbare Tafelzwerg – gute Nacht!
Tag 3: Das Kap Der Guten Hoffnung Am Weihnachtstag wollen wir ans „Kap der guten Hoffnung“, einem der wohl berühmtesten Ausflugpunkte in Südafrika. Nach dem Frühstück geht’s los. Schon an der ersten Ampel stehen diverse Strassenverkäufer. Der heutige Renner sind „Samichlauskappen“. Sieht ungewohnt aus, wenn der Weihnachtsmann plötzlich schwarz ist aber wie wir ja jetzt alle wissen, ist Gott auch Koch! Trotzdem verzichten wir auf die gefütterten Kopfbedeckungen und fahren weiter. Die Fahrt an der Küste entlang ist eindrücklich und die Landschaft wunderschön. Berge und Bäume auf der rechten Seite, zur Linken das Meer, mit teils hohen Wellen, die an den Kliffs zerschellen und meterhoch in die Luft spritzen. Wir fahren Richtung „Muizenberg“ und machen an einem Strand kurz Halt. Direkt am Meer hat es mehrere, farbige Häuschen, die ein gutes Sujet für Fotos abgeben. Stocki und ich warten beim Auto und rauchen. Wir verwandeln das idyllische Städtchen kurzerhand in eine Industriestadt und qualmen wie Kamine im Ruhrpott. Am nächsten Tag erzählt uns Remo vom Hostel, dass diese farbigen Häuschen früher die Umkleidekabinen der Reichen waren. Heute gelten sie mehr als Attraktion und werden kaum noch genutzt. Auf jeden Fall werden sie immer abgeschlossen, weil sonst ruckzuck ein paar Obdachlose die begehrten Unterkünfte als Bleibe benutzen würden. Und Obdachlose gibt es hier reichlich! Wir fahren weiter in Richtung „Simons Town“, wo wir Pinguine beobachten wollen. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob ich das wirklich glauben soll. Für mich waren Pinguine stets mit Eis und Schnee verbunden und nicht mit Afrika. Als wir am ersten „Vorsicht Pinguine“ Warnschild vorbeifahren, lasse ich mich eines Besseren beleeren – wie kultig ist das denn? Leider ist an dieser Stelle der Andrang sehr gross. Hunderte Autos haben das gleiche Ziel und parken am Strassenrand. Wir gehen erst Mal in ein gemütliches Restaurant und trinken was. Thömmes bestellt einen kleinen Salat und erhält einen riesigen Teller „Greek Salad“ mit Käse, Oliven und allem was dazu gehört. Deshalb hat die Serviertochter wohl auch gleich 3 Teller mitgebracht: Der Salat wird aufgeteilt und wir fahren weiter Richtung „Fishhoek“. Von dort aus geht es direkt weiter bis zum „Cape Of Good Hope“.
Auch hier ist der Andrang gross. Wir warten geduldig und zahlen brav den Eintritt. Und zwar cash! Auch zahlt bei uns nicht jeder einzeln, sondern einer begleicht die Gebühr für alle sieben. Wenn das alle so machen würden, wäre die Wartezeit sofort halbiert. Stattdessen zahlen viele den Eintrittspreis von umgerechnet 8 Franken mit der Kreditkarte – grummel! Nachher müssen wir noch ein Stück weiterfahren, bis wir am Kap ankommen. Nach ein paar Kurven wird uns klar, weshalb der Krankenwagen vorher beim Eingang, in horrendem Tempo an der Warteschlange vorbeigerast war. Ein übler Unfall, in den ein Auto und ein Motorrad verwickelt sind, ist der Grund. Sieht vor allem für den Fahrer des zweirädrigen Fahrzeuges übel aus – holy shit! Wir fahren weiter und werden auf einem Parkplatz angewiesen, den Shuttle-Bus zu benützen, da schon zu viele Autos bis ans Kap gefahren sind. In Afrika rechne ich mit einer Wartezeit von ca. 2 Stunden auf den Bus. Ich werde jedoch erneut eines besseren beleert. Nach etwa einer Viertelstunde kommt schon der Bus. Wir steigen ein und nehmen Platz. Es folgen uns noch ca. 40 weitere Personen. Kritisch betrachte ich die Tafel vorne beim Chauffeur, auf der steht, dass dieses Fahrzeug 24 Personen inkl. Stehplätze transportieren kann. Will der Typ ins „Wetten Dass“?? Alleine auf den Stehplätzen sind nämlich schon 24 Leute! Der Shuttle fährt zügig und sicher bis zum Kap. Hier ist das Mekka der Touristen! Restaurant, Souvenirshop, Sehenswürdigkeiten. Während Nada, Thömmes und ich zu Fuss bis zum Leuchtturm hochsteigen, bleibt der Rest im Restaurant und gönnt sich was zu trinken.
Die Wanderung auf den Gipfel dauert nur etwa 20 Minuten, ist jedoch verdammt steil und somit anstrengend für Leute in meinem Fitnesszustand. Zuerst fühle ich mich noch wie Viktor Röthlin. Nach 100 Metern keuche ich wie ein Asthmatiker auf einem 4000er Gipfel und ganz oben angekommen läuft der Schweiss in Strömen. Bei genauer Beobachtung steigt sogar der Meeresspiegel durch meinen Schweissausbruch leicht an und wird auch ein wenig salziger. Die tolle Aussicht entschädigt jedoch für die Strapazen und runter geht es dann auch zügiger. Die schwitzenden Menschen, die uns jetzt entgegenkommen und verzweifelt fragen, ob es denn noch weit sei bis nach oben, werden mit einem Grinsen und einem zynischen „Yes Sir“ abgespeist. Die Schadenfreude lockert die Beinmuskulatur und der Atem beruhigt sich langsam. Wir gehen zurück zum Shuttle und mit unserem Mietwagen wieder Richtung Kapstadt. Auf dem Rückweg sehen wir Straussen und versuchen noch einmal einen dieser Affen zu entdecken, die am Strassenrand auf Touris lauern. Damit sind nicht die Verkäufer gemeint, sondern richtige Affen! Diverse Warnschilder weisen darauf hin, dass diese Viecher im Stande sind Autos zu knacken und sich darin zu verschanzen. Auf dieses Spiel lassen wir uns aber nicht ein. Mit mir ist nämlich schon ein „Silberrücken“ im Fahrzeug und da verträgt es nun wirklich keine Revierkämpfe!
Wir halten erneut an der Waterfront und kaufen uns diverse Fressalien für das abendliche BBQ. Die Einkaufscenter haben hier zum Glück auch am 25. Dezember geöffnet und so kommen wir zu unserem Food. Leider darf an Sonn- und Feiertagen in keinem Laden Alkohol verkauft werden. Zum Glück hat unser Vermieter vorgesorgt und Bier gekauft. Wir haben ja noch den Schnaps. Jöggu entdeckt im Supermarkt ein 2.5 kg Rindssteak. Cooler Anblick! Wir fahren zurück und machen Feuer. Das Holz hier ist sensationell. Man braucht zwar eine gute Stunde bis die Glut vorhanden ist, aber dafür lässt es sich nachher wunderbar grillen. Als Appetizer gibt es Cheeseburger und Pouletbrüstchen. Diese sind jedoch schon ziemlich sättigend. Erst jetzt kommt das Riesensteak auf den Grill. Wow! Thömmes und Jöggu drehen das Ding zu zweit. Jeder will davon probieren, zumindest die Herren, obwohl jeder schon den obersten Hosenknopf offen hat. Schmeckt toll und gekostet hat’s gerade Mal 12 Franken! Da möchte man doch jeden Tag den Grill anwerfen. Nach ein paar Drinks und einem „Captain“ für den Magen, läuft Musik aus den Boxen des I-Pods. Passend zu Heiligabend schafft es auch ein Song von „Exit“ auf die Playlist. „Laute Nacht, unheilige Nacht“ – es läuft „Krieg“ am Kap! Nach und nach legen sich alle schlafen, denn Morgen heisst es pünktlich fertig sein für die Besichtigung von diversen „Winefarms“. Degustieren geht über studieren heisst das morgige Tagesmotto. Prost!
Tag 4: Wolle Rosé Saufen? Damit heute, am Tag der Weindegustation, niemand fahren muss, haben wir eine private Tour mit Fahrer organisiert. Dieser ist auf 10.00 Uhr bestellt. Ich habe mich noch nicht ganz an die Ferien gewöhnt und bin bereits wieder um 06.30 Uhr auf der Terrasse. Genug Zeit also um am Tisch ein wenig dem Heavy Metal zu frönen und den I-Pod auf Maximum zu stellen. Gegen sieben Uhr treffen jeweils die Vermieter ein, um das Frühstück vorzubereiten. Remo kommt mit einem Staubwedel auf mich zu. Damit will er jedoch nicht den „Zieger“ aus meinen Augen kratzen. Er streift damit ein paar Mal unter dem Tisch durch, an dem ich schon eine Weile sitze. Verdutzt nehme ich die Kopfhörer ab und frage ihn, was er denn da gerade mache. „Das ist wegen den Spinnen!“ antwortet er gelassen, während ich einen Satz Richtung Cheminée mache. „Beim Cheminée sind sie auch gerne – da ist es wärmer!“ Ich hüpfe zum Pool! Hätte er uns gestern bloss nicht diese Riesendinger gezeigt. An der Eingangstüre krabbelt ein Gewaltsteil rauf und runter und im Garten hatte er uns eine ziemlich giftige „Knopfspinne“ gezeigt. Dieses hässliche Ding hat die grössere Wampe als ich und zudem auch noch mehr Haare an den Beinen – pfui Däivel! „Es kann zu Lähmungen führen, wenn sie dich beisst!“ – Pah! Wegen diesen paar Lähmungen! Schauder!!
Nach dem Morgenessen trifft der Fahrer pünktlich ein und stellt sich als „Tom“ vor. Tom kommt aus Namibia, ist weiss und lebt schon länger in Südafrika. Er macht diverse Touren durch das ganze Land und auch in gewisse Nachbarländer. Er spricht Deutsch und Englisch. Wir bitten ihn die Tour auf Englisch zu machen, denn auf Schriftdeutsch hat nun wirklich niemand Lust. Wir fahren los. Tom erklärt uns via Mikrofon die Einzelheiten zur Umgebung. Die Gebirgslandschaft am Horizont ist sehr beeindruckend. Da vor langer Zeit die Holländer in dieser Gegend angesiedelt waren, hat es diverse, lustige Ortschafts- und Strassennamen. Wir kommen auf das erste Weingut und fahren, einer schönen Allee entlang, bis zum Haus. Es ist ca. 11.00 Uhr, noch etwas früh für Wein aber wir haben ja Ferien. Eine freundliche Dame begleitet uns zum Tisch, wo schon alles bereitsteht. Kurze Zeit später will uns die Chefin erklären, dass wir bitte die Gläser festhalten sollen, da es stark windet. Bevor sie überhaupt zu Wort kommt, zerschellt auch schon Ursi’s Glas auf dem Tisch. Die Frau spricht sogar Schweizerdeutsch und erzählt uns ein paar Dinge über das Weingut. Sie produzieren hier sowohl Weiss- als auch Rotwein. Ungefähr eine Million Flaschen pro Jahr auf 240 Hektar Land. Wir sind beeindruckt. Der erste Weisswein wird serviert und probiert. Den meisten zieht es die Gesichtsmuskulatur zusammen – das war wohl nix! Der Wein ist verdammt stark und würde bei uns locker als Likör durchgehen. Ich trinke trotzdem das ganze Glas aus. Es folgen zwei weitere Weissweine und drei Rotweine. Dazu wird Käse serviert, den sie ebenfalls selber produzieren. Der Käse ist wirklich lecker, wogegen uns von den Weinen keiner wirklich überzeugen kann. Leicht angeheitert steigen wir wieder in den Bus und fahren zum nächsten Weingut. Das kann ja heiter werden!
Die zweite Station sieht sehr viel versprechend aus und ist sogar mit einem kleinen Museum ausgestattet. Wir werden von „Michael“ in Empfang genommen und auf der Tour begleitet. Zuerst führt er uns durch das Museum. Hier wird auf eindrückliche Art und Weise aufgezeigt, was Sklavenarbeit bedeutet. Man kennt das zwar aus Büchern und vom Fernsehen aber wenn man plötzlich an dieser Stelle steht, wo die Sklaverei bis vor kurzem noch Gang und Gebe war, läuft es einem schon kalt den Rücken runter. Diese Menschen wurden unter den unmöglichsten Bedingungen wie Tiere gehalten und auch behandelt. Ein paar Fotos und Bilder untermalen die triste Stimmung. Damit die Sklaven keine Eigenständigkeit entwickeln konnten, wurden sie statt mit Geld, mit Alkohol bezahlt. Das klingt für mich zuerst zwar viel versprechend. Wenn man sich die Hintergründe allerdings genauer betrachtet, durchschaut man das falsche Spiel sofort. Man hat sich die armen Kerle hörig gemacht und die Abhängigkeit gegenüber dem Besitzer untermauert. Die zahlreichen Bilder von „Nelson Mandela“ sind der einzige Sonnenstrahl in diesen Mauern. Da wird einem bewusst, wofür sich dieser Mann sein Leben lang eingesetzt hat. Nach der Tour durch das Museum begeben wir uns in den Garten, um auch hier Wein zu probieren. Hier gibt es sechs verschiedene Sorten zu degustieren. Weisswein, Rotwein, Rosé und sogar einen „Breakfastwine“! Letzterer ist eine Art Schaumwein, wie bei uns der „Sauser“ und schmeckt wirklich lecker. Zum Frühstück nehme ich dann aber doch lieber ein Bier haha! Auf diesem Weingut ist jeder einzelne Tropfen wirklich gut und übertrifft teilweise sogar die Erwartungen. Zusammen mit den perfekten Erklärungen von Michael und den interessanten Details, ist diese Tour nahezu perfekt und uns ein Trinkgeld wert. Well done!
Bevor es zur dritten Winefarm geht, gibt es was zu Futtern. Das Mittagessen ist in der Tour inbegriffen und lässt irgendwie nichts Gutes erahnen. Wir wären lieber selber irgendwo eingekehrt und hätten dafür bezahlt. Wir gehen in eine Art Bistro. Hässliche Torten in allen Farben zieren die Vitrinen im Innenraum. Was das Servicepersonal auf den Tellern durch die Gegend trägt, sieht auch nicht wirklich gut aus. Dieses Restaurant wäre für pensionierte Engländer sicher perfekt, um sich bei Tee und Kuchen zu verweilen. Wer jedoch weiss, wie Engländer kochen, will hier bestimmt nichts essen! Die Auswahl ist entsprechend klein. Es gibt lediglich ein paar verschiedene „Paninis“ und zwei Salate zur Auswahl. Ich entscheide mich für das Schinken-Käse-Panini, weil ich der Überzeugung bin, dass man hier nicht viel falsch machen kann. Weit gefehlt! Das Unding ist quasi ungeniessbar und die sechs öligen Fritten, die dazu serviert werden, ein Witz. Die Kartoffelstäbchen wurden wahrscheinlich in derselben Friteuse wie der Fisch zubereitet und riechen dementsprechend auch nach den glitschigen Meeresbewohnern – igitt! Einziger Lichtblick ist die Kellnerin, die wie „Halle Berry“ aussieht, die aber die Situation auch nicht retten kann. Mit einem Bier und diversen „Krebsantennen“ wird der üble Geschmack aus der Mundhöhle verbannt. Das war das erste Mal, dass man hier das Essen nicht als Gaumenschmaus bezeichnen konnte – schade! Wir fahren weiter nach „Stellenbosch“, wo es ausgezeichnete Weine geben soll. Das Weingut, das wir hier ansteuern, ist leider schon geschlossen. Es ist halt Feiertag und dadurch auch verständlich, dass nicht alles geöffnet hat. Das Haus hätte allerdings, trotz leichtem Krematoriums-Touch, sehr viel versprechend ausgesehen. Wir fahren in das Städtchen „Stellenbosch“ um zu shoppen. Leider hat auch hier fast kein Laden geöffnet und so trinken wir nur kurz was Kühles und schlendern über den Markt. Hier gibt es diverse, afrikanische Holzschnitzereien und jede Menge Kitsch zu kaufen. Die Holzmasken sehen zwar teilweise wirklich toll aus, aber niemand will eine solche für die nächsten zwei Wochen mit sich herumschleppen. An den Ständen ist natürlich jeder dein „Good Friend“. Wir verziehen uns schnell wieder zurück zum Bus. Fahrer Tom hat in der Zwischenzeit bei etwa 30 Winefarms angerufen, von denen allerdings nur noch eine offen hat. Da wir aus diesem Gebiet aber unbedingt Wein probieren wollen, nehmen wir den kurzen Umweg in Kauf. Wir trudeln ein und werden von einem „O.C.-California“ Schönling mit künstlichen, blauen Augen und „Sitcom-Frisur“ begrüsst. Dieser Sonnyboy macht auf den ersten Blick zwar einen sympathischen Eindruck, doch das wird sich schon kurze Zeit später ändern. Hier wird gar nichts erklärt. Keine Karte mit den Beschrieben der Weine, kein Wasser, kein gar nix! Der Typ will bloss noch Feierabend und wahrscheinlich aufs Surfbrett. Vor zwei Tagen habe ich einen tollen Strand gesehen, wo die Wellen das Treibholz gegen die Klippen donnerten – versuch’s doch da einmal. So schmeckt auch der Wein nicht besonders. Da dies aber die letzte Station für heute ist, schütte ich, im Gegensatz zu allen anderen, nichts mehr weg und trinke brav meine Medizin. Dafür schlafe ich auf der Heimfahrt dauernd ein, werde jedoch durch den ruppigen Fahrstil von Tom immer wieder geweckt. Ein langer Tag neigt sich dem Ende zu. Hat wirklich Spass gemacht, obwohl ich nicht gerade der Weinkenner bin. Am Abend machen wir noch mal Feuer im Cheminée und grillen das übrige Fleisch vom Vortag. Als Vorspeise werden die Reste vom Rind zu Häppchen geschnitten und kalt serviert – lecker! Leider sind die Folienkartoffeln vom Vortag ungeniessbar und ausser Brot hat es nicht mehr viele Beilagen. Nada und Thömmes versuchen ihr Glück an der Tanke, jedoch ohne Erfolg. Sogar der Mc Donalds ist restlos ausverkauft, zumindest was den Salat angeht. Dann gibt es eben nur Fleisch (juhu!). Der Tag wird besprochen und mit ein paar Bier, Cyder und Wein begossen. Der Cyder schmeckt sogar richtig gut und ich singe leise vor mich hin „Cyder-Pig, Cyder-Pig“. Innerlich geht mir dabei die Szene aus dem „Simpsons-Movie“ durch den Kopf und gröle mir einen ab. Leider ist der „Captain“ alle und so geht es heute ohne Rum ins Bett. Egal! Dies war der letzte Tag in Kapstadt. Morgen steht eine rund 7-stündige Autofahrt auf dem Programm – Yeeehaa!!
Tag 5: Baby Chicken Roadkill Wegen der langen Autofahrt wird heute noch ausgiebiger gefrühstückt als sonst. In unserer Bleibe, dem „Elements“, mangelt es uns ja wirklich an nichts. Jeden Morgen frische Brötchen, Früchte, Yoghurts, Cornflakes und natürlich Eier in allen Variationen. Um den Sack nicht überzustrapazieren lautet die Devise jedoch „Nur 1 Ei pro Tag“. Wir verabschieden uns von Remo und Esther, die grossartige Arbeit geleistet haben. Ihr Hund „Tequilla“ scheint das ganze wenig zu interessieren. Der liegt schon wieder faul am Pool und wartet auf die nächsten Gäste, die er beschnuppern kann. Als erstes ist natürlich tanken angesagt. Unser Daktari-Mobil säuft wie eine Gnuherde am Wasserloch, in etwa 30 Liter auf 100 Kilometer! An der Tanke haben sie mittlerweile den Grillstand abgeräumt. Ca. 5 Meter neben den Zapfsäulen hatte da nämlich beim letzen Mal einer einen Gasgrill aufgestellt – es lebe die Sicherheit!
Heute steht eine Fahrt von knapp 400 Kilometer auf dem Programm. Das Ziel heisst „Outshorn“. Nach etwa einer Stunde Fahrt, durch die karge Steppenlandschaft, halten wir in einem kleinen Restaurant. Wir parken unseren Wagen direkt vor dem Haus und nehmen auf der Gartenterrasse platz, um uns ein wenig zu erfrischen. Die Blasen werden geleert, während wir eine Ewigkeit auf die Getränke warten. In der Zwischenzeit macht unser Auto Kapriolen. Die Alarmanlage geht auf mysteriöse Weise immer automatisch los und macht einen Heidenlärm. Der Wagen blinkt und hupt wie verrückt. Stocki rennt mit dem Schlüssel zum Wagen und stellt das Teil ruhig. Kaum drei Meter vom Wagen entfernt, geht’s auch schon wieder los- na toll! Irgendwie schafft er es, dass die Anlage wirklich abstellt. Wenigstens für den Moment. Wir fahren weiter. Den nächsten Stopp machen wir etwa zwei Stunden später in einem kleinen Städtchen namens „Svellendam“. Schon wieder ist Tanken angesagt. Gleich gegenüber von der Tankstelle sehen wir ein schickes, kleines Restaurant. Zeit um etwas in den Magen zu bekommen. Den Wagen parken wir sicherheitshalber in der Nähe, falls der Alarm wieder losgeht. Wir geben bei der gutgelaunten Bedienung unsere Bestellungen auf. Das Restaurant gehört einem Portugiesen namens „Jorge“. Wir nennen den Kerl, den wir nie zu Gesicht bekommen, schweizerisch „Schorsch“. Und wo wir schon bei Schweizerdeutsch sind – das Restaurant ist auch noch mit „Swellengrebel“ angeschrieben – na wunderbar! Wir essen also beim „Schwellengrebel-Schorsch“ zu Mittag, wenn das bloss gut geht. Die Speisekarte ist auf jeden Fall reichhaltig. Jöggu und ich bestellen Pizza. Die Mafiatorte vom Sepp heisst „Roadkill“, meine heisst „Meat Extravaganza“. So weit ich informiert bin, bezeichnet man die überfahrenen Tiere am Strassenrand als Roadkill. Hoffen wir Mal, dass die Viecher nur leicht touchiert und nicht komplett zermatscht wurden – wir warten gespannt. Thömmes und Nada entscheiden sich für Pasta. Der Stockmann vernichtet einen Cheeseburger mit Fritten. Der Brüller des Tages wird jedoch Ursi’s „Baby Chicken“. Keine Ahnung was dieses Suppenhuhn mit Baby zu tun haben soll. Das Federvieh ist faserig und zäh! Eine Portion Krampfadern wären sicher zarter gewesen. Ursi lässt verständlicherweise etwa dreiviertel vom Huhn liegen und hofft, dass der Magen nicht schlapp macht. Ähnliche Sorgen hat auch Romina, die einen Topf voller Muscheln bestellt hat. Diese sind schon offen und man weiss nicht so genau, zu welchem Zeitpunkt der Schorsch diese geöffnet hat. Abwarten und Schnaps trinken heisst hier wohl das Motto. Beim Auto trinken allerdings nur Jöggu und ich einen Schluck aus der Rumflasche, um zu desinfizieren und unsere Pizzas waren ja gar nicht Mal so übel. Ach ja! Die Alarmanlage war in der Zwischenzeit natürlich auch wieder losgegangen. Als wir dieses Mal zum Auto zurückkehren, rütteln wir am Wagen, stehen auf die Stossstange, machen Lärm doch nichts passiert. Wir sind ratlos und Stocki sichtlich genervt. Die Fahrt geht weiter.
Der Wind wird stärker, was das Fahren wahrlich nicht einfacher macht. Unser Fahrzeug ist wegen der Höhe sehr anfällig auf Wind und schwankt wild hin und her. Dazu kommt, dass der Wind sehr unterschiedlich, von allen Seiten her bläst. Dies macht es für den Fahrer natürlich auch nicht leichter. Mit beiden Händen hält Stocki das Steuer in den Händen und vergleicht die Situation mit einer Schlittenfahrt. Bei jedem Halt muss er die Arme lockern und das T-Shirt auswringen. Er hält sich tapfer und bringt uns sicher Richtung „George“. Wir fahren über diese Route Richtung Küste, um nicht über die kurvige Passstrasse fahren zu müssen. Da bin ich sehr dankbar, da Passstrassen nicht gerade mein Ding sind. Von „George“ aus sind es nur noch etwa 60 Kilometer bis zu unserem Ziel. Wir fahren weiter und nähern und plötzlich einem Berg. Auf der Tafel steht „Outshorn“ und direkt daneben steht, dass man über den Pass fahren muss. Also doch! Norwegen lässt wieder grüssen und Stocki lacht sich im Auto kaputt, während ich bleich werde. Die nächste Tafel ist eine „Achtung Steinschlag“ Warnung auf der linken Seite. Darunter ist vermerkt „High Risk for the next 7 km“ – wunderbar! Was kommt als nächstes?? Achtung keine Leitplanken an der steilen Strasse für die nächsten 10 km??? Wenn ich jetzt bloss an meine Rumflasche käme! Ich bücke mich Richtung Rucksack, erreiche ihn aber leider nicht. Als ich mein Haupt wieder hebe und zum Fenster hinausschaue, ist plötzlich dichter Nebel aufgezogen. Verdammt! Ich war gerade Mal 20 Sekunden nicht damit beschäftigt auf die Strasse zu schauen und schon sieht man nur noch knappe 10 Meter weit! Ich schliesse meine Augen und denke an was schönes, doch stets kommen mir die Bilder aus dem Horrorfilm von Steven Kings „Der Nebel“ in den Sinn. Zum Glück verschwindet die Suppe so schnell wie sie gekommen ist und wir kommen endlich in „Outshorn“ an. Ein riesiges Dankeschön an Stocki! Diese Fahrt war meisterlich!
Auch hier finden wir rasch unsere Bleibe für diese Nacht. „Backpackers Paradise“ heisst die Unterkunft. Das Areal ist gross und die Zimmer sauber. Im Innenraum des Parks kann man auch Zelten, doch dies war für uns nie ein Thema. Wir quartieren uns ein. 5 in einem grossen Zimmer, die Schnarchnasen (Stocki und ich) werden ins Separée verbannt. Die Wände sind jedoch dünn, also fühlt euch bloss nicht zu sicher da drüben hahaha! Bier! Bieeeer! Nach dieser langen Fahrt muss jetzt ein kühles Bier her! In der Bar bestellen wir „Large Castle“ und erhalten eine 7.5 dl Flasche. Genau das braucht es jetzt! Zum Nachtessen geht es heute ins „Dolce Vita“. Hier ist das Essen um Länger besser als beim Schorsch und wir schlagen uns die Mägen mit Strauss voll. Ursi entscheidet sich für ein fleischloses Menü – wir verstehen das und schmatzen. Die Serviertochter ist etwa im zwölften Monat schwanger. Wegen des riesigen Hinterteils muss man allerdings zwei Mal schauen, auf welcher Seite sich der Babybauch befindet. Sie macht ihren Job jedoch sehr gut. Wir laufen zufrieden zurück zum Backpackers. Der 15-minütige Fussmarsch, bei angenehmen Temperaturen, tut gut und regt schon Mal die Verdauung an. Vor unseren Zimmern machen wir es uns, zusammen mit dem „Captain“, gemütlich bevor wir uns schlafen gehen. Am nächsten Morgen geht es schon wieder um 08.00 Uhr los zu den „Cango Caves“, die zu den grössten Tropfsteinhöhlen der Erde gehören sollen. Ich persönlich hoffe, dass mein Tropfstein sich nach all den Eiern in der Nacht zusammenreisst und mir keinen feuchten Traum beschert – Good Night!
Tag 6: Der Inder Und Der Gipser Am Morgen stehe ich früh auf um die Dusche des Backpackers unsicher zu machen. Auf dem ganzen Areal ist noch niemand wach. Erst Mal geht’s aufs Scheisshaus. Mit diversen Fürzen imitiere ich die „Big Five“. Die grossen Fünf in Afrika sind Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Die Imitation gelingt ziemlich authentisch und schon sind einige wach. Zumindest die in den Zelten! Anschliessend geht’s unter die Dusche und schlussendlich rasiere ich mich am Lavabo im Flur. Eine „Big Mama“ fragt mich, ob die Toilette frei sei. Ich bejahe die Frage und werde sogleich von ihrem fetten Hintern gegen das Waschbecken gedrückt – uff! Was dann folgt übertrifft meine kühnsten Erwartungen. Ich selbst bin ja ebenfalls mehr als gut bestückt mit meinem Hinterteil und habe schon grösste Mühe, den Arsch auf die kleine Schüssel zu pflanzen. Aber wie sie das anstellen will ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Die Geräusche deuten auf einen Gewaltsschiss hin! Als die Türe aufgeht trocknet mir der Rasierschaum per sofort auf den Backen – puh! Was hast du den gefressen! Mit eingezogenem Schwanz verziehe ich mich auf mein Zimmer und winsle. Das kann nicht getopt werden! Hossa!
Nach einem Express-Kaffee geht’s Richtung „Cango Caves“. Wir beichten dem Parkwächter, dass unsere Alarmanlage möglicherweise wieder ungewollt losgehen könnte. Er lächelt nur und meint, dies sei kein Problem. Wir nehmen an der Führung durch die riesigen Tropfsteinhöhlen teil. Wow!! Die grösste Höhle hat in etwa die Grösse von 3 Turnhallen! Sie wurde im 17. Jahrhundert entdeckt, als ein Typ einer Ziege folgte, die dorthinein geflüchtet war. Diese Sehenswürdigkeit wurde zwischen 1964 und 1994 sogar für Konzerte genutzt und war bekannt für ihre spezielle Akustik. Leider haben die Besucher viele dieser Tropfsteine abgerissen und als Souvenir mit nach Hause genommen. Menschen sind halt grösstenteils Idioten! Seither kann man die Höhle nur noch unter Aufsicht betreten und es wird dort sehr genau darauf geachtet, dass niemand etwas abbricht. Die Führung ist wirklich gut und witzig zugleich. Die Lady macht das wirklich gut. Leider kommentiert ein kindsköpfiger Inder, mit dem typischen Slang, jede ihrer Bemerkungen und redet auch dazwischen ununterbrochen. Mann! Jetzt halt doch Mal dein Maul du Wichser! Damit nicht genug! Ein anderer komischer Kauz wird von der Menge schon nach wenigen Minuten gemieden. Dieser Typ hat sich den Arm gebrochen und trägt einen Gips. Wir nennen ihn deshalb „den Gipser“. Der Kerl stinkt wie ein Warzenschwein! Schweissgeruch liegt in der Luft und wenn man sich nicht mindestens einen Sicherheitsabstand von 10 Metern gönnt, bleibt einem glatt die Luft weg. Hoffentlich stürzt die Höhle nicht ein! Wo der Sauerstoff normalerweise locker für ein paar Tage ausreichen würde, wäre hier nach 10 Minuten Schicht im Schacht. Trotz diesen Unannehmlichkeiten lohnt sich der Besuch in den Grotten. Wahnsinn wie diese uralten Gebilde aus Stein einem in ihrem Bann ziehen. Einige sind mehrere hunderttausend Jahre alt und gewaltig gross. Coole Sache! Nach einer Stunde ist der Rundgang zu Ende und wir beschliessen vor Ort zu frühstücken. Das heisst sofern der Comedy-Inder und der Gipser nicht den Speisesaal betreten. Das tun sie zum Glück nicht und so kommen wir dazu etwas zu essen. Das „Cango-Caves-Breakfast“ beinhaltet 2 Spiegeleier, 1 Straussensteak, 1 Straussenbratwurst, Tomaten und Brot. Morgens halb zehn in Afrika halt – geil! Bewundernswert ist die Bedienung, welche die verschiedenen Getränke- und Essenswünsche, ohne aufzuschreiben im Kopf behält. Lediglich 1 Wasser fehlt bei der Monsterbestellung – wir ziehen den Hut.
Anschliessend geht es weiter in einen Zoo. Auch hier gibt es eine einstündige Führung mit einem witzigen Führer. Natürlich motzen ein paar Deutsche darüber, dass die Tour nur auf Englisch und Afrikaans stattfindet. Es gibt ja auch in Berlin einen Zoo. Geht doch zu Knut, wenn euch das hier nicht passt! Auf halbem Weg durch den Rundgang gibt es riesige Krokodile zu sehen. Um auf die andere Seite des Geheges zu gelangen, muss man eine Hängebrücke passieren. Da Deutsche stets drängeln, sind sie auch mitten auf dieser Brücke, als sich der Tourguide einen kleinen Scherz erlaubt. Von seiner Seite her kann er die Brücke, per Knopfdruck, zum Beben bringen und aus den grossen Boxen erklingen laute, bedrohliche Geräusche. Die Deutsche Grandma hüpft auf der Brücke hin und her und bringt den Herzschrittmacher beinahe in Verlegenheit. Ich gröle, bin aber gleichzeitig froh, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht auf der Brücke gestanden bin. Der Guide hätte wohl den nächsten Tag nicht mehr erlebt! Man könnte hier auch in einem Käfig zusammen mit den Krokos baden, doch auf diese Attraktion verzichten wir dankend. Thömmes fragt den Guide, wieso das eine Krokodil ständig das Maul offen hat. Die Antwort: „Weil es ein Weibchen ist!“ Wie treffend – hihi!
Weiter geht es zu Tigern, Leoparden, Geparden und Löwen. Die Tiere liegen nur faul herum und wären in freier Wildbahn sicher interessanter zu beobachten. Für den Moment reicht es aber aus und macht Lust auf mehr. Vielleicht ergibt sich ja noch die Gelegenheit eine Safari zu machen. Wir fahren weiter nach „Knysna“ unserem Aufenthaltsort für die nächsten fünf Tage. Mal ausspannen und am Pool oder am Meer die Wampe in die Sonne strecken. Nada hat ein ziemlich luxuriöses Haus am Meer gemietet. Genauer gesagt sind wir auf zwei Etagen dieses Hauses verteilt und haben dort alles, was wir brauchen. Besitzerin „Sue“ heisst uns willkommen und zeigt uns die Räumlichkeiten. Sehr cool! Leider ist das Wetter nicht gerade gut. Es regnet in Strömen und ist kalt. Für die nächsten Tage sei gemäss Sue jedoch besseres Wetter angesagt. Hoffen wir’s Mal! Nach dem Einquartieren besichtige ich das Bad und vor allem das Klo. Das Badezimmer ist grösser als das Doppelzimmer im Backpackers. Falls das Wetter nicht besser wird, weiss ich jetzt, wo ich die nächsten Tage verbringen werde – Der Keramikhimmel befindet sich in Knysna!
Zum Nachtessen geht’s in „Mark’s Restaurant“. Sehr hübsch und gar nicht weit von unserem Haus entfernt. Die Bar ist Raucherzone und liegt direkt neben dem Restaurant. Zu Hause habe ich leider viel zu viel getankt und nach einem kleinen Nickerchen kommt der „Seegang“ so richtig zur Geltung. Hui! Ich brauche einen Schluck Wasser! Romina fragt mich, ob ich mit ihr in der Bar ein Bier schlürfen würde. Hmm? Wieso eigentlich nicht! Und so wankt der labile Körper, welcher von einem noch viel labileren Hirn gesteuert wird, Richtung Bar. „Two Castle Lager please“ lalle ich gen Barkeeper und der stellt brav 2 Flaschen auf den Tisch. „Senk you sir“ und ab damit. Wie immer gibt es lecker Fleisch und dieses Mal den Hauswein dazu. Im Rausch vereinbare ich mit Romina ein Abkommen. Falls es Morgen nicht schön wird, trinke ich den ganzen Tag keinen Alkohol! Ne Moment! Das wäre ja furchtbar und das Risiko laut Wetterbericht viel zu gross! Also keinen Wein bei schlechtem Wetter – das ist fair! Aufgrund des hohen Alkoholpegels wollen wir uns zudem am nächsten Tag an die wichtigsten Sachen erinnern. Romina soll mich daran erinnern unbedingt Sonnencrème zu kaufen – mein Auftrag lautet sie daran zu erinnern die Pille zu nehmen – Deal!
Nach dem Essen entern wir „Mark’s Bar“ und trinken munter weiter. Die Leute in der Bar sind grosse Trinker und haben entsprechend Zustände jenseits von Gut und Böse. Sehr gut! So fallen wir ja gar nicht weiter auf! Leider hat der DJ nur eine CD, die er immer wieder von vorne laufen lässt. Übelster Mainstream-Pop – buuuuh!! Slayer!!! Nützt nix die favorisierten Bandnamen zu rufen. Ein paar weitere Bierchen machen die Situation einigermassen erträglich. Wir laufen zum Auto, einige wanken und ich brauche etwa drei Minuten um in den Wagen zu steigen. Fahrer Stocki ist aber nüchtern und sehr tolerant – er kennt diese Situation aus der Heimat hihi! Zu Hause gibt es abschliessend noch einen „Captain“ oder auch zwei und dann geht’s ab in die Heia! Ursi ist mit mir und Stocki im Zimmer einquartiert, hat aber wenigstens noch die Ohropax in der Hinterhand. Angenehme Bettruhe! Morgen ist ein Tag ohne Programm zum Ausspannen angesagt. Das wird wohl auch nötig sein!
Tag 7: Cold And Cloudy Lazy Day Am Morgen früh regnet es erneut wie aus Kübeln und die Tropfen prasseln gegen unser Dachfenster. Ich denke an meine Abmachung mit Romina betreffend „Keine Sonne – kein Wein“ und überlege mir in die Küche zu schleichen, um heimlich etwas von dem Breakfastwein zu naschen. Nein! Das würde dann doch den Rahmen der Vernunft sprengen – ich mache Kaffee. Die Ladies kommen, eine nach der anderen, etwas deprimiert aus den Gemächern geschlurft. „Sonne wo??“ „Keine Sonne!“ „Hmmmm!“ Was für ein Schauspiel. Vielleicht wird’s ja im Verlaufe des Tages noch wärmer. Wir fahren in die Stadt um Kleider zu waschen und um zu frühstücken. Unser Haus, die „Amanzi Lodge“ liegt nämlich auf einer kleinen Insel etwa 10 Fahrminuten vom Städtchen entfernt. Auch hier gibt es eine „Waterfront“, wie in Kapstadt, jedoch viel kleiner. Natürlich gibt es auch hier Shops und Restaurants. Da es schon nach 11.00 Uhr ist, gibt es gar kein Frühstück mehr. Also gibt’s nen Kaffee und gleich im Anschluss Steak und Burger. Bei meinem Steak sind auch noch „Prawns“ mit dabei. Stocki erklärt mir, dass es sich hier um grosse Crevetten handelt, die angeblich mit der Languste verwandt sein sollen. Ich bin froh, dass das hässliche Vieh nicht mit mir verwandt ist! Zärtlich aber ungeschickt reisse ich dem krummen Kerl den Kopf ab und breche ihm langsam den Rückenpanzer auf – romantisch aber glitschig! Der weisse Inhalt schmeckt süss und riecht natürlich nach Fisch. Super Frühstück! Trotzdem bin ich positiv überrascht, da Meeresfrüchte normalerweise absolut nicht zu meinem Ernährungsplan gehören. Bei genauer Betrachtung hat der Meeresbewohner einen grossen Schnauz und lange, dünne Beine. So muss wohl in etwa der Arbeitskollege von Ursi aussehen, von dem sie uns gestern erzählt hat. Der „Boa Beni“ schwingt nämlich ebenfalls einen Schnäuzer und hat Ursi schon des Öfteren erfolglos zum Tanzen aufgefordert. Ob der Hobby-Don-Juan auch nach Fisch riecht entzieht sich aber meiner Kenntnis.
Nun geht es auf zur Wäscherei. Hier kann man für 10 Franken einen ganzen Korb voll Wäsche waschen und bügeln lassen. Sehr gut! Meine Waschfähigkeiten sind in Sachen Kleider nämlich quasi gleich Null und beziehen sich ausschliesslich auf die Körperhygiene. Im Städtchen ist alles auf Tourismus eingestellt. Knysna ist DER Ferienort für Südafrikaner. Entsprechend sind die Einkaufscenter und Shops prall gefüllt mit Touris. Wir brauchen was zu futtern für die nächsten Tage und natürlich Sprit für die Lebern. Am Postkartenstand kriegt man hier keine Briefmarken. Hmm! Tja wieso auch? In den normalen Läden gibt es ja schliesslich auch keinen Alk! Den muss man sich schon im separaten „Liqeur-Store“ holen – komplizierte Sache! Die Wirkung meines Frühstückscocktails, dem „Sex In The Knysna Forest“ lässt zum Glück langsam nach und die Augen werden wieder auf Normalgrösse hochgefahren. Dieses Gebräu aus Pfirsichschnaps, Blue Curacao und Orangensaft war recht heftig am Mittag. Ursi besorgt Briefmarken, die anderen den Rest. Ich stehe vor dem Einkaufszentrum und beobachte den Penner auf der Bank. Der arme Kerl hält stundenlang seine Mütze in der Hand und hofft vergeblich auf ein paar Almosen. Der Supermarkt heisst im Englischen „Mall“. Ich überlege mir spontan meinen Hodensack gegen die Schaufenster zu donnern und dabei „Balls To The Mall“ von Accept zu singen. Wie war das noch Mal mit der nachlassenden Wirkung des Drinks?
Nach dem Einkaufen geht’s zurück zum Haus, um am Pool oder im Garten abzuhängen. Aus den Boxen dröhnt „Volbeat“. Die Wolken halten sich hartnäckig und so kommt jeder mit Gänsehaut aus dem Pool gekrochen. Das Wasser im Schwimmbecken schmeckt salzig, ist aber sauber und nach kurzer Angewöhnungsphase sogar angenehm warm. Am Abend reservieren wir bei „J. J’s“ an der Waterfront einen Platz zum Essen. Auf seine Speisekarte findet man viel Exotisches. Als Vorspeise probiert Jöggu das Carpaccio von Krokodil, Springbock und Kudu. Dieses hauchdünn geschnittene Fleisch sieht lecker aus! Romina probiert diverse Fischsorten als „Starter“ und die anderen das Knoblauch-Käsebrot oder Salat. Als Hauptgang probieren Jöggu und ich das Zebra-Filet-Steak, das sensationell schmeckt und nicht etwa mit Streifen übersäht ist. Thömmes bekommt ein riesiges Thunfischsteak, Stocki einen „Südafrika-Teller“ mit diversen Fleischsorten. Ursi geht mit dem Rindsfilet für einmal auf Nummer sicher und ist ebenfalls schwer begeistert. Zusammen mit dem köstlichen Wein ist dies ein rundum gelungenes Nachtessen. Als Nachspeise probieren einige das Eis. Kaffee mit Grappa oder der „Jamaican Coffee“ mit Rum sind die Alternativen. Der „Rastamann-Kaffe“ haut mich schier aus den Socken. Da hat wohl einer halb-halb gemischt!
Als besondere Darbietung singen am Schluss noch die Angestellten traditionelle, afrikanische Lieder für die Gäste. Alle Serviertöchter und die komplette Küche stellen sich im Halbkreis auf und legen los. Einige haben gewaltige Stimmen und könnten locker bei diversen TV-Shows gewinnen. Unsere Kellnerin des Abends, die stets ein Lächeln auf den Lippen hatte, schwingt rechts aussen die Hüften, singt, klatscht und blüht richtig auf. Die kleine, mollige Frau mit dem kugelrunden Gesicht ist ein richtiger Wonneproppen und wird von uns, im positiven Sinne, die „Kaffeebohne“ genannt. Von der Darbietung sind wir so begeistert, dass wir gleich 2 CD’s kaufen, um die Truppe zu unterstützen. Hinter dem relativ professionell aufgemachten Cover, verbirgt sich dann leider nur eine gebrannte CD, die aber wenigstens läuft. So fahren wir mit afrikanischer Musik Richtung Unterkunft und verbringen noch ein paar geschwätzige Stunden auf dem Balkon. Ursi spendierte eine Flasche „Stellenbosch“ Rotwein und trägt dazu bei, den feuchtfröhlichen Abend, stilvoll abzuschliessen. Morgen geht’s auf Safari! Hier kann man mit dem Jeep oder auch hoch zu Ross durch den Park lümmeln. Ich werde mich wohl für das Gefährt mit Rädern und nicht für den „Brämenständer“ entscheiden! Schliesslich will ich ja nicht auf Löwenfutter durch deren Revier schlendern!
Tag 8: Sandstrand Und Safari Komischerweise ist am Morgen früh immer schönes Wetter, doch so gegen neun Uhr kann man zusehen, wie sich die Lage verschlechtert. Irgendwie frustrierend! Als ich erwache ist draussen ein Riesenlärm. Was zum Kuckuck ist das denn? Ach so! Ein Kuckuck! Der gefiederte Rabauke sitzt auf dem Baum, direkt vor unserem Fenster und pfeift, respektive „kuckuckt“ vor sich hin. Schnauze! Auf der Insel gibt es ein paar dieser Vögel und statt, dass der eine endlich still wäre, bewegt er die anderen dazu auch mitzumachen. Mal schauen, ob ich heute Abend einen Restaurantbesitzer dazu bringen kann, euch auf die Karte zu nehmen! Stocki hat einen ähnlichen Zwischenfall mit den Tauben erlebt. Diese laufen und flattern am Morgen nämlich auf dem Dach herum. Stocki fuchtelt und macht Geräusche um die Biester zu vertreiben, doch so einfach geht das nicht. Nach ein paar weiteren Versuchen ist dann endlich Ruhe auf dem Dach. Wenn die wüssten, wen sie da gerade geweckt und geärgert haben, würden sie wohl schnurstracks das Weite suchen oder sich gar freiwillig auf den nächsten Grill legen – zum Beispiel auf den von der Cape-Town-Tankstelle haha! Da sich das Wetter nach dem Morgenessen wieder verschlechtert hat und wir mittlerweile alle erkältet sind, beschliessen wir, ein paar Kilometer zu fahren und uns an den Strand von „Plettenberg Bay“ zu begeben. Wer hätte gedacht, dass man nach einer Woche Afrika immer noch bleich wie ein Feta-Käse ist und sich in der Apotheke Hustensaft und Vicks Waporub besorgen muss? Horror!
Wir fahren los und hoffen auf ein wenig Sonne. Auf der linken Strassenseite sehe ich ein Warnschild auf dem steht „Very High Accident Risk For The Next 7 km“. Die Unfallgefahr beeindruckt den Stockmann überhaupt nicht und so steuert er unseren Wagen sicher durch den Linksverkehr. Umso näher wir an Plettenberg kommen, desto schöner wird das Wetter. Als wir endlich am Sandstrand ankommen, ist die Laune aller Beteiligten sofort besser. So haben wir uns das vorgestellt! Kilometerlanger Sandstrand, hohe Wellen, blauer Himmel! Leider habe ich mein Badetuch vergessen und sehe deshalb schon nach wenigen Minuten aus, wie ein paniertes Schnitzel. Egal! Der feine Sand wird trotz Wind nicht aufgewirbelt und bleibt schön am Boden – „strange“! Es wird Zeit, sich ins Wasser zu begeben. Die Badehose habe ich natürlich ebenfalls vergessen aber mit den kurzen Jeans wird’s wohl auch gehen. Nach dem ersten Schritt ins Wasser zieht sich der Günsel in wärmere Gefilde zurück und das Gehirn gibt den Befehl „zieh dir Schuhe an, es wird kalt!“. „Shut up – Brain!“ Ich bin im Wasser, da zieht man sich keine Treter an! Mann ist das kalt! Nach ein paar Minuten hat man sich an den Beinen schon ein bisschen an das kalte Wasser gewöhnt. Zeit ein paar Meter weiter nach vorne zu preschen. Schön langsam. Die nächste Welle spritzt mir in die Fresse und ich bin quasi schockgefroren. Zusammengekrümmt und zitternd stehe ich da im Wasser und sehe wahrscheinlich aus, wie ein Riesen-Scampi. Der Koch vom Hotel nebenan holt den Feldstecher und wetzt schon Mal das Messer. Zum Glück bemerkt er rechtzeitig, dass ich doch ein Mensch bin und zieht sich zurück. Aufwärmen an der Sonne ist angesagt. Romina packt plötzlich das Wanderfieber und so zieht sie los, um den langen Strand zu erkunden. Fast zwei Stunden später ist sie immer noch nicht zurück. Stocki und ich laufen auch in diese Richtung am Strand entlang. Vielleicht treffen wir sie ja an? Am Beach sieht man haufenweise Muschis äh Muscheln im Sand liegen. Einige funkeln in den schönsten Farben, andere stechen einem einfach nur in die Füsse. Wir hinterlassen gewaltige Löcher mit unseren Fussabdrücken im Sand und so entwickelt sich der Spaziergang zum Spiessroutenlauf. Die Touristen sind nicht begeistert, dass wir ihren schönen Strand in eine Mondlandschaft verwandeln. Buhrufe und Pfiffe sind die Folge. Ruhe! Sonst pflanzen wir unsere Hintern in den Sand! Dann werdet ihr wissen, was ein Krater ist! Die Drohung zeigt Wirkung und plötzlich ist es mucksmäuschenstill am Strand – gut so! Im Sand sehen wir plötzlich das Kinn von Fifa-Truthahn „Zloczower“ liegen. Bei näherer Betrachtung handelt es sich zum Glück aber nur um eine Qualle. Eklig dieses glibberige Ding! Noch immer keine Spur von Romina und wir sind doch schon über einen Kilometer gelaufen. Vielleicht ist sie auf einem anderen Weg zurückgekehrt? Wir drehen um und watscheln zurück. Die anderen packen schon langsam ihre Sachen zusammen, Romina fehlt immer noch. Hmm! Wird doch wohl nichts passiert sein? Nach fünf weiteren Minuten sieht man in der Ferne die schwarze Badehose und ein breites Grinsen. Stolz erzählt sie uns, dass sie bis zum Ende des Strandes gelaufen sei. Das sind ein paar Kilometer! Meine Kniegelenke ächzen schon beim Gedanken an diesen Marsch.
Im Städtchen essen wir noch was bevor es auf Safari geht. Im „Taste Of Mozambique“ Restaurant gibt es leckere Burger und eine Bedienung mit komischem Slang und heiserer Stimme. Vor allem wenn der Typ auf unser Dankeschön jeweils mit „Pleasure!“ antwortet, haut es einem vor Lachen fast vom Stuhl. Wir fahren zum „Rhino Basecamp“, wo wir uns für die Safari angemeldet haben. An der Rezeption gibt’s gegen Bares auch die Tickets. Es ist wieder verdammt kühl geworden! Thömmes kauft sich am Souvenirstand eine Jacke, dann besteigen wir das Safari-Mobil. Dieses hat Platz für ca. 20 Nasen und ist gefedert wie ein Monstertruck. Dies ist auch nötig, wie wir kurze Zeit später feststellen. Der Guide fährt los und gibt bekannt, dass wir als erstes zu den Löwen fahren. Die holprige Route ist zu allem auch noch kurvig und schlägt mir auf den Magen. Gut, dass ich heute meinem alkoholfreien Morgen eingeplant und dies sogar bis in den Nachmittag hinein durchgezogen habe. Der Fahrer öffnet mehrere, gesicherte Türen bis zum Revier der Löwen. Leben die denn nicht mit den anderen Tieren zusammen? Dies geht angeblich nicht – schade! Die Löwen werden hier alle 5 Tage gefüttert und liegen deshalb nur träge herum. In der Wildnis jagen sie laut Guide nur einmal im Monat. Ein Männchen und drei Weibchen leben in dem grosszügigen Gehege. Von den Weibchen ist eines trächtig. Falls sie ein weiteres Männchen werfen sollte, wird dies vom Chef sogleich gekillt, damit keine Rivalität entstehen kann – krass! Die Tiere lassen sich geduldig fotografieren und scheinen sich überhaupt nicht für uns zu interessieren. Die Tour geht weiter. Die Giraffen stehen direkt am Strassenrand und fressen Blätter von den Bäumen. Zebras und Antilopen leben friedlich miteinander und grasen. Auch diese sind vom lauten Motorengeräusch absolut nicht beeindruckt.
Auf dem Weg liegt plötzlich das erste Nashorn und hat überhaupt nicht die Absicht, die Strasse freizugeben. Wir umfahren den 2.5 Tonnen Koloss offroad und halten etwa 5 Meter von ihm entfernt an. Seine Schnauze liegt auf der sandigen Strasse und bei jedem Schnauben fliegt eine Staubwolke in unsere Richtung. In vollem Lauf erreicht der Bulle eine Geschwindigkeit von bis zu 45 km/h. Also bloss nicht ärgern, denn unser Mobil läuft gerade Mal 25 km/h – Maximum! Eine Herde Wasserbüffel und Springböcke werden angesteuert. Alles was wir bisher auf dem Teller hatten läuft hier frei herum und lässt einem schon wieder das Wasser im Mund zusammenlaufen. Viele Tierarten haben zurzeit Junge. Herzerwärmend wie sie herumtapsen – ich verstaue die Kräuterbutter wieder im Rucksack und die Frau neben mir beruhigt sich wieder. Ein anderer Bock einer Gazellen- oder Antilopenart lässt uns dann erstaunt zum Fotoapparat greifen. Dieses Vieh kann, trotz seines Körpergewichts von nahezu 900 kg, über 2.5 Meter hoch springen! Ich springe mit meinen 110 kg gerade Mal 30 cm hoch – verdammt ist das deprimierend! Dafür trinke ich Bier und du nicht ha! Ausserdem lande ich nicht auf einem Teller, sofern ich mich nicht allzu weit ins Landesinnere vom schwarzen Kontinent begebe und zudem stinke ich nicht so bestialisch. Am Morgen vielleicht aber dafür gibt’s ja Deo oder Dusche. Man sieht, es gibt viele Vorteile als Mensch. Nach dem Vortrag über das Paarungsverhalten werden die Vorteile aber wieder weggeblasen. Der „Leitbock“ hat gleich mehrere Weibchen, die er täglich bespringen muss oder darf, damit die anderen Böcke nicht auf dumme Gedanken kommen. Das heisst der „Superbock“ pimpert den ganzen Tag in der Gegend herum und frisst ab und zu ein bisschen Gras. Er scheisst im stehen wo es ihm gerade passt und trägt gratis und franko eine wunderschöne Pelzjacke – ich will jetzt doch wieder tauschen!
Mittlerweile ist es saukalt auf dem Wagen. Im Dorf habe ich zwar trockene Hosen gekauft, da die „Bade-Jeans“ um keinen Preis trocknen wollte. Die neuen Shorts sind jedoch relativ kurz und die unwillkommene Beinfreiheit lässt zu viel Wind an die haarigen Pfosten. Der Krokodilkäfig ist die einzige Enttäuschung hier. In einem winzigen Gehege mit Miniteich liegen ein paar der „Handtaschen“ faul herum. Diese Attraktion hätte sich der Park auch ruhig sparen können! Das einzig Interessante ist, dass diese Reptilien in den hiesigen Wintermonaten (Juni bis September) gar nichts fressen. Die Körpertemperatur wird so weit heruntergefahren, dass sie 4 Monate ohne Futter auskommen können. Na ja! Einige Models können das ja auch! Als nächstes entdecken wir eine Herde Gnus. Hier hat es auch ein paar seltene Tiere dabei, die eine blonde Mähne schwingen. Unser Gitarrist„Slashbach“ lässt grüssen! Diese seltenen Exemplare sind bei Wilderern sehr gefragt und haben einen „Marktwert“ von ca. 180'000 Rand, also etwa 20'000 Franken und das ist hier ein Vermögen! Zum Schluss nähern wir uns dem zweiten Nashornbullen, der mit seinen drei Weibchen unterwegs ist. Die beiden Bullen sind stets um die Gunst der Weibchen besorgt und liefern sich heftige Kämpfe, wenn sie einander über den Weg laufen. Da der zweite Bulle wahrscheinlich immer noch auf der Strasse liegt und faulenzt, kriegen wir leider keinen Kampf zu sehen. Die drei Weibchen sind zum greifen nahe an unserem Gefährt. Es wäre jedoch überhaupt nicht empfehlenswert, den Wagen zu verlassen. Sowieso nicht in meiner Gewichtsklasse! Der Bulle würde mich wahrscheinlich als Konkurrenz sehen und sofort angreifen. Andererseits würden die Weibchen, augrund des verhältnismässig kleinen Geschlechtsteils, sowieso nur schmunzeln und flehend zum einzig wahren Bullen zurückkehren. Die zweistündige Tour geht zu Ende und wir sind zufrieden. Für umgerechnet 35 Franken war dies auf jeden Fall einen Ausflug wert.
Gleichzeitig mit der Tour geht auch meine alkoholfreie Zeit zu Ende und ich gönne mir ein Bierchen an der Bar. Am Cheminée wärmen wir uns auf und trauern dem Flusspferd nach, das wir leider nicht richtig gesehen haben. Nur die Ohren und die Augen hatten aus dem trüben Tümpel geragt. So bleibt uns aber immerhin das Heimwehgefühl nach dem Hardy’s erspart. Am Abend sind nun wirklich alle erkältet und die Nasen laufen permanent. Zudem schmerzt meine rechte Hand (nicht was du denkst! Ich bin Linkshänder!!). Ich wollte einem Parkwächter das Trinkgeld quasi durch die Scheibe hindurch überreichen. Genau genommen habe ich mir am Windabweiser die Pfoten aufgeschnitten. Das Teil ist messerscharf und jeder, der seinen Rasierapparat vergessen hat, könnte sich problemlos direkt am Fahrzeug von den Stoppeln befreien! Gegessen wird heute Abend im „Drydock“. Das zweistöckige Restaurant ist so gross, dass man hier auch ohne Vorreservierung einen Platz findet. Zum Apéro gibt es ein lokales Bier das „Mitchels Beer“ heisst. Im ersten Moment schmeckt die Pfütze recht gut, jedoch ein wenig süsslich. Nach dem halben Glas ist die ganze Kohlensäure schon verpufft und die Plörre mundet überhaupt nicht mehr. Stocki und Thömmes nehmen den Apfelstrudel zum Dessert. Die Miniportion ist im Nu weg. Ich probiere den Dessert-Schnaps der ebenfalls lecker schmeckt und auch schnell weg ist. An diesem Abend gehe ich ohne „Terrassenplausch“ und ohne „Captain“ ins Bett und hoffe, dass die Erkältung am nächsten Morgen weg ist oder zumindest nicht noch schlimmer wird. In dieser Nacht schlafe ich wie ein Stein und zum ersten Mal durch. „Müde bin ich geh zur Ruh, mache meine – schnarch!“
Tag 9: Ein Frohes Neues Jahr Endlich scheint die Sonne Mal schon am Morgen. Der Himmel ist blau und keine Wolken in Sicht. Nada macht Rührei mit Speck für die, die schon wach sind und da gehöre ich glücklicherweise auch dazu! Da das Wetter passt, entschliessen wir uns spontan für einen Tag am Pool. Während die halbe Mannschaft nach dem Frühstück ins Städtchen fährt, um unsere Wäsche abzuholen und die Einkäufe zu tätigen, legt sich der Rest schon Mal auf die Liegestühle am Wasser. Ich nehme mir ein kühles blondes mit an den Pool und schwimme ein paar Runden. Schön erfrischend diese Planscherei und mit einem gekühlten „Castle“ macht dies natürlich doppelt soviel Spass. Plötzlich merke ich, wie mir Tabak aus den Taschen quillt. Oh nein! Die Zigaretten!! Ein Griff an die andere Hosentasche – oh shit!! Das Portemonnaie!! Man was für ein Trottel! Ich springe aus dem Pool, als ob ein grosser Weisser hinter mir her wäre und ärgere mich ab meiner eigenen Blödheit. Ich lege die Noten auf dem Liegestuhl zum Trocknen aus, was erstaunlich gut funktioniert. Geldwäscherei Mal anders! Ursi setzt mit Rominas Unterstützung ihren fiesen MMS-Plan in die Tat um und posiert am Schwimmbecken. Die Fotomessage wird zu einen späteren Zeitpunkt weiterverschickt, um die Familie, Kolleginnen und Kollegen neidisch zu machen. Nachdem die anderen mit den Einkäufen zurück sind, wird die Wäsche sorgfältig durchgezählt. Leider fehlen diverse Socken aber ansonsten scheint alles in Ordnung zu sein. Mein weisses „Necrophobic“ T-Shirt ist bei genauerer Betrachtung auch nicht gerade sauber geworden. Bei dem hatte ich vor ein paar Tagen die Ärmel und den Kragen unfreiwillig mit Sonnencrème eingeschmiert und somit gelb gefärbt. Da in Südafrika nur kalt gewaschen wird, schimmert der gelbton natürlich immer noch durch. Wie soll man denn mit diesen „Pissärmeln“ den nordischen Blackmetal glaubwürdig an den Mann bringen? Das Shirt verschwindet ganz unten in der Tasche.
Im Verlaufe des Nachmittags schmiere ich mir ein paar Brote und mache Sandwiches. Der Wild-Salami schmeckt toll und stillt den ersten Hunger. Gegen 15.00 Uhr verschlechtert sich das Wetter rapide und es wird sofort kühler. Ich nutze die Gelegenheit für einen kleinen Nachmittagsschlaf und kuriere damit den ersten Rausch des Tages aus. Romina hat den Nachmittag am Meer verbracht und bringt diverse, schöne Muscheln mit nach Hause. Sie hat ausserdem versucht, einem Wassersportler aus der Patsche zu helfen. Der Kerl versuchte sich an einer Wassersportart mit Gleitschirm und Brett, hatte dies aber überhaupt nicht im Griff. Romina versucht ihm zu helfen, da sie schon einmal einen einwöchigen Kurs gemacht hat. Sie holt sein Brett und versucht ihm zu erklären, dass er den Schirm nicht in den Wind halten soll. Der Typ ist aber ziemlich bescheuert und macht natürlich genau das Gegenteil. Dadurch schleift es ihn wieder einige Meter weiter weg. Dieses Spielchen zieht er so lange durch bis es Frau Cancellara zu blöd wird. Sie wirft ihm das Brett hin und empfiehlt ihm ebenfalls einen Kurs zu besuchen. Die Sonne war bislang leider eher selten zu sehen. Trotzdem sollte man ihre Intensität auf keinen Fall unterschätzen. Wenn sie nämlich einmal scheint, dann gleich so heftig, dass man sich gut schützen muss. Leider hat Romina an diesem Tag keine Kopfbedeckung getragen und bekommt dafür am Abend die schmerzhafte Quittung. Sieht nach einen Sonnenstich aus! Der Kopf glüht und übel ist ihr auch. In der Zwischenzeit schmeisst Thömmes den „Weber-Grill“ für das Nachtessen an. Der grosse Kugelgrill ist wirklich gut und die Glut enorm. Während die Ladies Kartoffeln machen, den Salat und Saucen vorbereiten, wirft Thömmes schon Mal das Fleisch auf den Grill. Poulet, Strauss und Rind brutzeln vor sich hin und sind schon nach kurzer Zeit bereit. Round 1 – fight! Romina setzt sich auch zu uns an den Tisch und versucht etwas zu essen. Schon nach kurzer Zeit muss sie sich wieder hinlegen und der eine oder andere Toilettenbesuch ist unvermeidlich. Nach dem Essen trinken wir ausgiebig Wein und Bier. Jöggu macht Tee für Romina und kümmert sich liebevoll um seine Freundin. Leider bekommt ihr seine Bierfahne nicht allzu gut und so muss sie sich bei jedem seiner Besuche zusammenreisen, um dem Sepp nicht auf den Schoss zu reihern.
Zum Dessert gibt es heute frischen Ananas und ekliges Eis. Die Glacé schmeckt enorm künstlich aber die Frucht ist toll. Nada bastelt aus einem Korken, Zahnstochern und Ananasrinde eine kleine Giraffe und schmückt damit den Tisch. Das neue Jahr rückt immer näher und die Weinflaschen leeren sich immer rascher. Wir probieren verschiedene Weine. Der letzte für heute Abend hat eine Etikette, die aussieht wie eine zugekritzelte Wandtafel. Auf der Etikette steht irgendwas von „Cabaret Saucisson“ oder so ähnlich. Ein Waadtländerwurst-Wein?? Pfui Däivel! Kurz vor Mitternacht begeben wir uns zum Pool und bereiten den Countdown vor. Das Natel von Stocki zeigt eine andre Zeit an, als das von Ursi. Wir entscheiden uns für Stocki’s Handy und stellen die Uhr ein. Als bei uns noch zwei Minuten auf dem Display steht, knallen nebenan schon die ersten Korken und Feuerwerk geht los. Wir halten an unserem Countdown fest. Als noch eine Minute auf dem Display steht, feiern sie ein Haus weiter das neue Jahr. Hmm! Hier hat wohl jeder seine eigene Zeit! 5, 4, 3, 2, 1 – juhu! Happy New Year!! Wir stossen am Pool an. Es folgen noch diverse weitere Countdowns und Jubelschreie aus anderen Häusern. Puh! Wenigstens waren wir nicht die letzen. Nachher geht es ans Meer, das sich direkt vor unserer Haustüre befindet. Zurzeit ist Ebbe und man kann im Sand ziemlich weit hinauswandern. Thömmes, Nada, Ursi und Jöggu tun dies auch. Stocki und ich setzen uns auf die Bank und stossen erneut mit Bier an. Romina liegt immer noch mit Eisbeuteln im Bett und verbringt ihren Rutsch schwitzend in den Laken. Sie scheint sich aber über unseren mitternächtlichen Besuch im Zimmer zu freuen und grinst unter den weissen Lappen hervor. Ist halt nicht klein zu kriegen, die Kleine! Nach dem nächtlichen Spaziergang gehen wir zurück auf die Terrasse. Alle scheinen hier noch mit ihren Autos eine Ehrenrunde um die Insel zu drehen. Eine nicht ganz ungefährliche Aktion zu später Stunde. Für uns kommt dies nach dem regen Alkoholgenuss nicht mehr in Frage. Aus dem Nachbarhaus ertönt in voller Lautstärke Musik. Diverse Songs von „Queen“ lassen uns darüber Rätseln, ob die Leute in Leder gekleidet sind und rumhampeln. Als plötzlich ein Rock n’ Roll Stück erklingt, führen uns Ursi und Stocki einen Tanz vor. Die Foxtrott-Schrittfolge gelingt nicht schlecht. Drehungen sind in diesem Zustand jedoch schon schwieriger. Cool! Nüchtern haben die beiden Tanzkursbesucher sicher noch mehr drauf – wir sind gespannt. Volltrunken entern wir die Betten und schlafen ziemlich rasch ein. Ausschlafen ist angesagt – Happy New Beer!!
Tag 10: Der Park Der Sanften Riesen Am ersten Tag des neuen Jahres kommt keiner vor 10.00 Uhr aus dem Bett. Der Kuckuck schreit sich, ohne Erfolg, die Lungen aus dem kleinen Leib und gibt dann irgendwann auf. Doch irgendwas ist da draussen. Schon vom Zimmer aus hört man immenses Geschrei und Gebrabbel. Ob die im Nachbarsgarten immer noch feiern? Dies ist nicht der Fall! Der Strand, also quasi die ganze Insel, ist besetzt mit Schwarzen. Es scheint hier eine Tradition zu sein, dass die Bevölkerung, auch die ärmeren, am Neujahrstag zusammen feiert, grilliert, spielt und trinkt. Nada läuft am Strand entlang und macht Fotos. Die Leute fühlen sich nicht belästigt, im Gegenteil. Vor allem die Kinder posieren gerne vor der Kamera. So ganz alleine fühlt sich Nada dann aber auch nicht sonderlich wohl und kehrt kurz darauf zum Haus zurück. Nach dem Frühstück fahren wir zum Elefantenpark. Beim Verlassen der Insel wird einen erst richtig bewusst, wie viele Leute hier am feiern sind. Es sind hunderte aus allen Ecken von Knysna! Überall läuft der Grill und die Leute hocken friedlich zusammen. Ab und zu macht eine Polizeipatrouille einen Rundgang. Wahrscheinlich um die Weissen zu beruhigen. Doch dies wäre absolut nicht nötig. Auf dem Weg zum Elefantenpark stehen heute fast keine Blumenverkäufer auf der Strasse, die durch ein grosses Waldstück führt. Nur einige Kids sind wahrscheinlich für ihre Mütter und Väter eingesprungen, da diese das neue Jahr wohl ausgiebig gefeiert haben. Auf de rechten Strassenseite sehen wir plötzlich die Tafel „Elephants Walk“ und parken den Wagen. Hmm! Sieht recht klein aus. Wo sollen denn hier Elefanten Platz haben? Beim Souvenirshop fragen wir die ältere Lady nach den Fakten. Der Park sei noch ein paar Kilometer weiter die Strasse runter! Aha! Kluger Schachzug meine Liebe! Wir sind bei weitem nicht die einzigen, die dort halten. Wenn man dann schon Mal da ist, läuft man halt schnell durch den Shop oder trinkt zumindest einen Kaffee. So kurbelt man das Geschäft an! Bei unseren mitreisenden Frauen funktioniert der Trick hervorragend und es wird wieder Mal eingekauft was das Zeug hält. Wenn es nach diesen drei Einkaufsexpertinnen gehen würde, wäre Shopping schon längst olympisch und die Schweiz hätte auch bestimmt ein paar Medaillen auf sicher – hüstel!
Wie die Frau vom Shop angegeben hat, erreichen wir den Park nach weiteren 10 Minuten Fahrt. Das sieht doch schon grösser aus. An der Rezeption kaufen wir Tickets. Man kann auch Früchte kaufen und die Tiere füttern, doch auf diese Attraktion hat niemand von uns Lust. Am liebsten würde ich selber einen Kessel mit Ananas kaufen und fressen aber es hat zu viele Kinder, die dadurch traumatisiert werden könnten, also lasse ich es sein. Man könnte auch auf den grauen Riesen reiten oder mit ihnen einen Spaziergang wagen aber auch darauf verzichten wir und warten geduldig auf den Guide. Zur Einführung wird ein Video gezeigt, auf dem erklärt wird, was man darf und was nicht. Kommt mir ein wenig vor wie bei der Sendung „Löwenzahn“ mit Peter Lustig. Nach dem Motto: „Hallo Kinder! Das sind Dickhäuter. Sehen komisch aus, sind aber ganz lieb – äh Kinder! Hallo! Die da drüben mit den Rüsseln! Ja genau, die grauen Viecher! Nicht der langhaarige, dicke Schweizer mit dem gekrausten Zopf und dem Slayer-Shirt. Dem müsst ihr Bier geben – keine Früchte!“
Mit einem Traktor und den daran angehängten Touristenkutschen werden wir zu den Elefanten gefahren. Hier sind einige Wärter und schauen nach dem Rechten. Die Elefanten dürfen nur zusammen mit einem dieser Guides angefasst werden. Ansonsten kann es gut sein, dass die Tiere unruhig werden und das wäre sehr ungemütlich. Als unser Wagen eintrifft, stellen sich die Tiere schön brav in einer Reihe, hinter der Abschrankung aus Stahl auf und schunkeln ungeduldig hin und her. Die Kolosse sind nicht dumm und wissen ganz genau, dass mit jedem dieser Wagen Touristen kommen, die Futter dabei haben. Der ausgewachsene Bulle frisst täglich 340 kg Futter. Da können hunderte Touris antraben und der Kerl hat immer noch Hunger. Unter der Führung der Guides dürfen nun die mit dem Futter nach vorne treten und die gierigen Rüssel mit Früchten stopfen. Die zwei ganz kleinen, der Jüngste ist gerade Mal vier Monate alt, dürfen nicht gefüttert werden. Die bekommen nur Milch. Diese Tatsache scheint dem kindlichen Rabauken gar nicht zu gefallen. Nach ein paar Minuten wird es dem kleinen zu bunt. Mit lauten, hohen Schreien, wie Rob Halford in seinen besten Tagen, prescht er nach vorne, mitten in die Menge. Manch einer wird kreidenbleich und erschrickt sich fast zu Tode. Trotz der niedlichen Grösse rennt dieser kleine Bastard locker einen Mann meiner Statur um, ohne mit den Augen zu zwinkern. Nur mit Mühe können die Wärter den jungen Elefanten in die Flucht schlagen. Die anderen Tiere warten inzwischen geduldig auf mehr Früchte und sind ganz ruhig. Ich betrachte das Ganze aus sicherer Entfernung. Meine Devise lautet nämlich: „Leg dich mit niemandem an, der schwerer ist als du selbst und dann auch noch den haarigeren Rüssel schwingt!“ Nach der Fütterung gibt es genügend Zeit, sich mit den Elefanten ablichten zu lassen. Die Tiere sind auch hierbei ruhig und geduldig, wirken teilweise sogar richtiggehend routiniert. Jetzt dreht der kleinste wieder am Rad! Der Wärter mit den Milchflaschen kommt. Diese ist in ca. 3 Literflaschen abgefüllt. Der kleine kann sich kaum beruhigen und schnappt sich schon Mal die erste Flasche. Gierig nuckelt er an dem Schoppen herum und schlingt den ganzen Inhalt in etwa einer Minute runter. Jetzt wird natürlich fotografiert wie blöde und jeder will Mal die Flasche halten – Touris halt! Als alle drei Flaschen leer sind, muss der Wärter die Tasche mit leeren Behältern auf den Boden legen, damit sich der Elefant davon überzeugen kann, dass auch wirklich nichts mehr drin ist. Nachdem er jede Flasche sorgfältig geprüft hat, läuft er von dannen und watschelt wieder zu den anderen.
Nachdem die Tour nun beendet ist, geht es zurück ins Restaurant des Parks. Jöggu und ich gönnen uns einen „Irish Coffe“, dazu gibt’s lecker Kuchen. Nach der Stärkung gehen wir zurück in die Lodge. Später geht’s zum Nachtessen an die Waterfront. Gar nicht einfach am Neujahrstag ein Restaurant zu finden. Die Läden sind alle ausgebucht oder gar geschlossen. Ein paar hundert Meter weiter finden wir dann aber doch noch eine Bleibe für unser Dinner das „Tribes“. Thömes hat in der Apotheke Medis gegen seine Erkältung geholt. Die Kassiererin verrechnet sich dabei übel und gibt ihm zu wenig Retourgeld. Da sie die Noten bereits in der Kasse verstaut hat, kann sie erst nach der Abrechnung gegen 21.00 Uhr sagen, ob dies wirklich stimmt. Tja! Dann gehen wir eben nach dem Essen noch mal bei ihr vorbei. Jetzt aber erst Mal futtern. Hier schmeckt das Essen für einmal nicht so toll! Dies hat bestimmt auch damit zu tun, dass wir in diesem 4-Sterne-Restaurant nicht wirklich erwünscht sind. Zum ersten Mal kommt mir dies zumindest so vor. Wenigstens werden wir satt und das Glas Hauswein schlägt mächtig auf den Deckel. Als wir gehen sind irgendwie alle froh – auch wir! Auf dem Heimweg gönnen wir uns einen letzten Schlummertrunk in Knysna. Wir gehen zu „Mark’s“ wie am ersten Abend. Die letzte Nacht im „Amanzi“ – Morgen geht’s nach „Port Elizabeth“.
Tag 11: Nächster Halt – Olten! An diesem Morgen fahren wir früh los, da wir gegen Mittag in „Port Elizabeth“ sein wollen. Die gut 260 km bis dahin sollten in ca. 4 Stunden mit Pausen machbar sein. Also fahren wir um 08.00 Uhr los. Da der gestrige Souvenirshop sowieso auf dem Weg liegt, halten wir dort kurz an und genehmigen uns einen Kaffee. Ursi hat noch was im Shop entdeckt, das unbedingt gekauft werden muss. Im Garten setzen wir uns an die Holztische und schlürfen unsere heissen Muntermacher genüsslich. Die Hauskatze streicht uns um die Beine und fordert Zärtlichkeit. Als diese ausbleibt, legt sie sich der Kater auf den Rücken und streckt alle Viere von sich. Jetzt passiert etwas, das ich so noch nie gesehen habe. Ein Vogel attackiert wild zwitschernd den schwarzen Mäusefänger! Morgens halb zehn in Afrika! Hier läuft halt alles etwas anders. Die Fahrt verläuft problemlos und wir sind gut in der Zeit – bis jetzt zumindest. In „Jeffreys Bay“ halten wir an um zu essen. Das Bistro „Portofino“ sieht einladend aus und hat auch einen Tisch für sieben frei. Also los! Es ist 11.00 Uhr, also fragen wir nach der Karte. Die Chefin informiert uns, dass wir schnell bestellen müssen, wenn wir noch Frühstück wollen, da schon Bald die Mittagskarte aktuell werde. Um diese Zeit könnte man ja auch gleich was Richtiges essen, also bestellen wir Burger. „Die Burger können etwas länger dauern, da ja immer noch die Frühstückskarte aktuell ist“, heisst es nun plötzlich. Herrgott! Jetzt entscheide dich doch Mal! Dann eben doch Frühstück aber das mit Eiern und Speck! Und ein Bier! Bitte!! Es geht etwa 20 Minuten bis die Getränke auf dem Tisch stehen. Kein Wunder, wenn man alle Tassen und Gläser einzeln serviert. Die Frau macht wohl jeden Tag eine Marathonstrecke beim Service. Nach weiteren 45 Minuten fragt Nada Mal ganz scheu nach, wie es denn nun mit unserem Frühstück aussehe. „Das dauert schon noch etwa 15 Minuten“ gibt die Frau zur Antwort. Langsam werde ich nervös und tippe mit den Fingern auf dem Tisch herum. Ich gehe nach draussen, rauche eine und bestelle noch ein Bier als ich wieder zurückkomme. Nach über einer Stunde kommt endlich das Frühstück – natürlich jedes einzeln! Stockis Teller lässt sogar noch länger auf sich warten. Er erhält sein Essen, nachdem die ersten schon beinahe fertig sind. Schlechte Idee Lady! Genervt verschlingen wir unser Futter. Der Zeitplan ist futsch. Nicht gerade freiwillig bezahlen wir die Rechnung, für einmal ohne Trinkgeld. Die Schlampe wünscht mir, beim Verlassen des Lokals, noch einen wunderschönen Tag. Zum Glück hab ich die Gabel nicht mehr in der Hand! Ein Augapfel wäre Minimum fällig gewesen! Dir auch ein schönes Leben – Puta!
Weiter geht’s. Gestoppt wird nur noch für Pinkelpausen. Gegen 14.00 Uhr treffen wir in „Port Elizabeth“ ein. Der erste Eindruck ist katastrophal! Was für eine Drecksstadt!! Quasi das Olten von Südafrika! Hier gibt es viel Industrie und viele heruntergekommene Häuser mitten in der Stadt. Kein Vergleich zu „Cape Town“. Wir suchen unsere Unterkunft „The Hippo“, ein Backpackers. Nach einiger Zeit finden wir den gut versteckten Laden. Die Putzfrau macht uns auf, die Chefin ist noch nicht hier. Auch das Backpackers ist, wie die Stadt, ziemlich abgefuckt. Im Garten kommt uns ein grosser, hässlicher Hund entgegen und beschnuppert uns mit seiner Sabberschnauze. Wer den Film „Scott And Hutch“ kennt, kann sich ungefähr ein Bild von diesem Köter machen. Das Unding heisst „Tyson“ und sieht bedrohlich aus! Nachdem wir unser Gepäck verstaut haben, geht es runter zum Strand. Denn so hässlich die Stadt auch ist, wenigstens scheint hier die Sonne. Doch auch der Strand ist keine Augenweide. Zur linken Seite stehen riesige Krane für den Schiffsverlad und auch die Schiffcontainer sehen nicht gerade einladend aus. Ein heruntergekommener Rummelpark setzt dem Gesamtbild die Krone auf. Zudem sind wir fast die einzigen Weissen an diesem Beach. Wir fahren weiter. Nada hat im Touristenführer einen Bilderbuchstrand entdeckt. Den suchen wir jetzt und fahren in der Gegend rum. Endlich angekommen stellen wir fest, dass man mit „Fotoshop“ doch Erstaunliches fertig bringt. Auch dieser Strand, der im Büchlein noch hervorragend ausgesehen hat, ist eine Katastrophe. Stocki und ich schlendern an der Küste entlang. Der Quai sieht aus wie Holz, ist aber aus Plastik und stinkt wegen der Sonneneinstrahlung widerwärtig! Zudem ist der Wind enorm und fetzt uns die feinen Sandkörner über die Haut. Man kommt sich vor, wie in einer Sandstrahlkabine.
Schnell suchen wir das Weite und gelangen zu einem Restaurant, abseits vom Strand. Nach wenigen Minuten kommen auch die anderen mit enttäuschten Gesichtern nach. Der Plan ist klar – so schnell wie möglich raus aus „Lizzy“! Stocki wäre sogar bereit sofort abzureisen und sich nochmals für ein paar Stunden ans Steuer zu setzen. Wir entscheiden uns aber doch, zumindest die eine Nacht, hier zu bleiben. Zurück im „Hippo“ ist nun auch die Chefin eingetroffen. „Jeanette“ heisst uns willkommen und zeigt uns das Areal. Als wir in bestem Schweizerdeutsch miteinander diskutieren, schaltet sie sich plötzlich ein. „Send er Schwizer?“ Ja natürlich! Jeanette ist zwar aus Südafrika, hat aber lange in der Schweiz gelebt und gearbeitet. Ihr Mann „Rolf“ ist Schweizer und wird sogleich dazugeholt. Der Pensionär freut sich sichtlich über den Besuch aus der Heimat und ist froh, wieder einmal Dialekt sprechen zu können. Er nützt dies gnadenlos aus und plaudert munter vor sich hin. Ein paar coole Sprüche lassen uns des Öfteren laut lachen – Super Typ dieser Rolf haha! Die Unterkunft ist uns sofort sympathischer und die beiden geben uns ein paar Tipps für das Abendessen. Denen folgen wir und begeben uns zu einem riesigen Komplex für Touristen. Sieht aus wie Disneyland! Hier einen Parkplatz zu finden stellt sich als äusserst mühsam heraus. Wir drehen ein paar Runden, bis wir endlich was finden. In der Pizzeria „Leonardo’s“ finden wir Platz. Die Vorspeisen sind köstlich und riesig! Ich nehme das geräucherte „Kudu-Carpaccio“ und schmelze dahin. Auch Pizza und Pasta sind sensationell und vermitteln uns hier in „Port Elizabeth“ den ersten wirklich guten Eindruck nach dem Pärchen im „Hippo“. Der ganze kitschige Komplex lässt aber nicht wirklich Freude aufkommen. Das Ganze ist wirklich völlig übertrieben, unrealistisch und einfach zuviel des Guten! So begeben wir uns nach dem Essen rasch zurück ins Backpackers und legen uns schlafen. Trotz der letzten positiven Eindrücke ist der Plan nach wie vor WEG VON HIER! Morgen bringen wir Thömmes und Nada zum Flughafen. Sie fliegen zurück nach Kapstadt und verbringen noch ein paar Tage dort, bevor sie, ein paar Tage früher als wir, zurück in die Schweiz reisen. Diese Tatsache ist zwar schade, bringt aber für die restlichen fünf auch den Vorteil, dass wir von nun an mehr Platz im Auto haben und dadurch der Reisekomfort enorm steigt. Es hat eben alles Vor- und Nachteile!
Tag 12: Zurück Nach Plettenberg Bay Der Flughafen ist unser erstes Ziel an diesem Morgen. Rolf und Jeanette sind auch schon wach und bereits wieder in bester Plauderlaune. Jeanette bemerkt, dass der Hund alle drei Tage nichts fressen will. Rolf meint nur, dass der halt nicht so blöd sei wie die Menschen und nur dann etwas fresse, wenn er Hunger hat, nicht dann, wenn es eigentlich Zeit dafür wäre. Recht hat er! In dem Zusammenhang kommt mir in den Sinn, dass ich seit zwei Tagen keinen „Captain“ mehr hatte. Morgen wird es Zeit, dass sein Schiff wieder ausläuft – Ahoi! Am Flughafen überbrücken wir die Wartezeit mit Warten – Grummel! Schon wieder geht es eine Ewigkeit, bis der Kaffee kommt. In diesem winzigen Kaffe arbeiten etwa 12 Kellnerinnen und Kellner aber keiner arbeitet wirklich. Sie stehen sich eigentlich nur gegenseitig im Weg herum. Als sich endlich Mal eine zu uns an den Tisch verirrt, merkt sie, dass sie ja gar nichts zu Schreiben dabei hat. Sie hole nur schnell Block und Stift, meint die gute Frau und ward nie mehr gesehen! Hmmm? Eine Viertelstunde später folgt dann der zweite Versuch. Zwei Kaffee mit Crème werden bestellt und auch notiert. Nach fünf Minuten kommt sie wieder an den Tisch und teilt uns mit, dass die Crème nur noch für einen Kaffe reichen würde. Schluchz! Was für ein Saftladen. Aber das passt ja zu dieser Stadt! Nachdem wir Thömmes und Nada verabschiedet haben, brechen wir endlich auf. Mit nunmehr fünf Leuten ist die Fahrt um einiges angenehmer und auch schneller. Komischerweise säuft das Auto immer noch gleich viel Benzin wie vorher. Der Wind ist auch wieder stärker geworden und das Fahren wieder einmal eine Tortur für den Stockmann. Den Weg kennen wir ja schon und so können wir zügig fahren. Wir stoppen an einer gewaltig hohen Brücke, wo der höchste Bungee Jump der Welt angepriesen wird. Mit 216 Metern ist das Ding wirklich abartig! Von der Gegenseite schauen wir ein paar der waghalsigen Sprünge an und lauschen dem Gekreische der Verrückten. Auf der weiteren Fahrt sehen wir plötzlich ein grosses Pavianmännchen auf der Strasse. Seelenruhig kreuzt es unseren Weg und beachtet uns kaum. Wir den Affen dafür umso mehr! Im Wald verschwindet gleichzeitig eine ganze Sippe von den lausigen Kameraden – cool!
Weiter bis zur Zahlstelle. Im Gegensatz zu Frankreich, Italien oder Spanien kommt hier nicht allzu oft eine solche. Genauer gesagt, passieren wir auf den gut 800 km genau eine! Bei unseren Nachbarn wären es wohl gegen die Hundert auf einer solch langen Strecke. Die Gebühr kostet gerade Mal 11 Rand, also etwa Fr. 1.80 und wird ohne zu nörgeln abgedrückt. Auch hier hat es wieder eine ganze Horde Affen, die laut Warntafeln, nicht gefüttert werden dürfen. Jedem Normaldenkenden käme es sowieso nicht in den Sinn, bei einer ganzen Herrschaft von Pavianen aus dem Auto zu steigen. So bleibe auch ich lieber im Wagen obwohl ich mich nicht unbedingt als Normaldenkenden bezeichnen würde. Langsam haben wir uns genügend zum Affen gemacht und fahren weiter. In „Plettenberg Bay“ hatten wir bislang das beste Wetter und den schönsten Strand entdeckt. Die negative Wetterprognose vom „Hippo-Rolf“, welche Regen für die gesamte Gardenroute prophezeit hatte, stimmt zum Glück nicht und so erwischen wir wieder traumhaftes Wetter. Jetzt fehlt nur noch ein Hotel. Was heisst hier nur?! Nach etwa 20 Telefonaten findet Stocki endlich was. Das „Dune Ressort“. Diese Location entpuppt sich als wahrer Glücksfall! Wieder ein zweistöckiges Häuschen mit viel Platz. Restaurant, Shops und Pool sind integriert. Fast wie ein kleines Dörfchen. Der Sandstrand hier ist wunderschön und für die Gäste reserviert. Uris und Romina erkunden das Paradies sofort und geifern den „Lifeguards“ hinterher, welche mit ihren durchtrainierten Körpern und roten Badehosen in bester „Baywatch-Manier“ auflaufen. Wir lassen unsere Badehosen ganz zu unterst in der Tasche und pflanzen unsere Waschbärbäuche auf die Veranda. „Castle Lager Please!“ heisst es von meiner und Jöggu’s Seite und schon rennt der Servierboy los und holt das kalte Getränk. Das Paradies ist nun auch für uns Wirklichkeit geworden! Da ein Restaurant vorhanden ist, entschliessen wir uns, gleich hier zu spachteln. Mein 300 g Rindsfilet wiegt mindestens das Doppelte! Keine Chance dieses Teil aufzuessen und so werde ich zum ersten Mal von Ursi unter den Tisch gefressen. Beschämend dieses gute Fleisch zurückgeben zu müssen. Prompt kommt auch die Frage vom Manager, ob irgendwas nicht in Ordnung gewesen sei. Nein! Nein! Alles wunderbar. Ausgerechnet der dünnste Typ in diesem Laden fragt mich so was. Er hat wahrscheinlich in den letzen drei Monaten nicht soviel Fleisch gegessen, wie ich an diesem Abend. Auch die Kellnerin hat sich inzwischen wieder beruhigt. Ursi hatte wegen eines dreckigen Weinglases reklamiert und ein sauberes verlangt. Das fand die Serviceangestellte gar nicht lustig! Wild rubbelt sie mit einem Lappen in besagtem Glas herum. Zum Glück ist sie in Sichtweite, sonst hätte sie sicher ins Glas gespuckt. So bastelt sie vermutlich am Abend einfach eine kleine Ursi-Woodo-Puppe und stochert mit Nadeln darin herum, doch damit kann man leben.
Der Rotwein mundet trotzdem nicht und ist ziemlich sauer. Vielleicht wäre dieser im dreckigen Glas erst so richtig aufgeblüht und hätte besser geschmeckt – wer weiss, wer weiss! Auf dem Weg zu unserem Zimmer laufen wir diversen Insekten und sonstigen Viechern über den Weg. Von der Riesenkakerlake über den Frosch bis zur Gottesanbeterin ist alles vertreten. Direkt vor unserer Türe ist es verdammt dunkel. Ich will mir einen kleinen Spass erlauben und verzapfe irgendwelchen Bullshit von Viechern am Boden und knirschenden Geräuschen. Der „Indiana-Jones-Effekt“ aus „Der Tempel des Todes“ soll aufkommen. In diesem Moment trample ich wirklich auf etwas und es knirscht tatsächlich! Zu Tode erschrocken flitze ich nach rechts und mache dadurch natürlich alle nervös. Wilde Aufruhr vor dem Bungalow mit der Nummer 1! Als endlich jemand Licht macht, liegt ein zertretenes Riesending am Boden. Schauder! Fröstel! Uaaa! Was zum Teufel ist das?? Nur langsam trauen wir uns in die Nähe. Das Teil ist etwa so gross wie ein Pfirsich. Nach einigen Minuten lösen wir das Rätsel. War bloss ne Schnecke! Uff! Stocki erholt sich kaum noch vor Lachen, ich bin bleich aber erleichtert und die Girls ekeln sich. Mit einem Fusstritt landet die Schnecke im Rasen und wir hoffen, dass wir am nächsten Morgen nicht reintreten. Ursi hat sich freiwillig für die ausziehbare Polstergruppe als Bett entschieden. Nach all den krabbelnden Viechern ist ihr aber auch nicht mehr so wohl im unteren Stock. „Können Kakerlaken die Wände hoch krabbeln?“ fragt sie. „Nein! Die sind wie Schnecken“ antwortet Stocki. „Aber Schnecken kommen doch die Wände hoch“ meint Ursi. „Schon, aber wenigstens keine überhängenden!“ Tolle Antwort Herr Stocker und sehr beruhigend! Ursi will trotzdem nicht tauschen, da sie am Morgen früh raus will, um den Sonnenaufgang zu fotografieren. Dann viel Spass Frau Jenni! Im oberen Stock schlafen wir kichernd ein. Wie heisst es doch in diesem alten Kinderspruch so schön „Ene, Mene, Miste was krabbelt in der Kiste!
Tag 13: Sommer, Sonne, Strunz! Unsere erste Nacht im „Dunes Ressort“ haben wir hinter uns gebracht. Durch das Dachfenster scheint mir morgens um acht die Sonne ins Gesicht, der Himmel ist wolkenlos, perfekt! Im Garten schreibe ich meinen Reisebericht, muss jedoch schon nach wenigen Minuten an einen Schattenplatz wechseln, denn die Sonne brennt heute schon in der Frühe, mit aller Kraft, auf meinen Schädel. Schatten?? Hmm! Kein Schatten vorhanden. Ich lege meinen Schreibblock in den Kamin beim Autounterstand und schreibe im Stehen. Sieht zwar ein wenig merkwürdig aus, aber so ist es wenigstens auszuhalten. Vielleicht warten ja wieder die drei Typen von gestern vor dem Fenster. Denen waren am Vortag beinahe die Augen rausgekullert, als Romina unbeabsichtigt, nackt vor dem Fenster stand. Eigentlich wollte sie im Wohnzimmer die Rollläden schliessen um genau das zu verhindern. Doch die Rollos sind tückisch und lassen sich nicht so leicht schliessen. Wenn man dann mehrer Minuten im „Eva-Kostüm“ an den Schattenspendern riegelt, zieht das natürlich Spanner an. Wenn die drei heute wieder kommen, werden sie ihr blaues Wunder erleben. Der Plan sieht vor, dass ich um die gleiche Zeit, nackt ans Fenster stehe und an den Rollos rüttle. Hoffe es erwischt dann auch die richtigen und nicht irgendwelche unschuldigen Kinder, die dann 20 Jahre später, auf einem Ledersofa sitzend, von ihren Traumas erzählen und dafür Fr. 200.-- pro Stunde abdrücken müssen har har har!
Ursi hat den Plan mit dem Sonnenaufgang durchgezogen und ist morgens um halb fünf alleine zum Strand gelaufen. Dabei gab es ein paar tolle Bilder, die sie uns, zu einer christlicheren Zeit, stolz präsentiert. An den Strand wollen wir heute auch noch, doch nicht mit leerem Magen. Im integrierten Restaurant setzen wir uns auf die windgeschützte Veranda. Die Woodo-Frau schläft zum Glück noch und so bedient uns der freundlichere Kellner. Die Gläser sind alle sauber und das Frühstück schmeckt lecker. Die „Hasselhoffs“ haben sich auch schon am Pool versammelt und tun so, als hätten sie was zu tun. Um diese Zeit ist jedoch erst ein Opa mit seinen zwei Enkeln am planschen. Ihr könnt die Waschbrettbäuche also wieder im Schatten parken!
Wie jeden Morgen wird man gefragt, wie man seine Eier gerne hätte. Am liebsten entleert und gekrault und wenn das nicht geht nehme ich gerne die Rühreier! Nach der morgendlichen Stärkung fahre ich mit Stocki, respektive er mit mir, zurück nach „Knysna“. Sue, die Besitzerin der „Amanzi-Lodge“ hatte Stocki angerufen und ihm mitgeteilt, dass er sein Portemonnaie vergessen hat. Auf die Frage, ob er denn seinen Geldbeutel nicht vermisst habe, antwortet er frech „Nein! Ich habe eben zwei davon“. Ach so! Alles klar!! Der Herr hat zwei Geldbörsen! Im Zusammenhang mit diesem ungeplanten Ausflug bringen wir nochmals Ware in die Wäscherei und hoffen, dass diesmal alles komplett zurückgegeben wird. Ich kaufe zudem die dritte Stange Zigaretten innert zwei Wochen, Souvenirs, eine Trainerjacke vom Rugby-Team und entwickle mich langsam aber sicher zum Profi-Shopper. Ein neues Portemonnaie steht auch noch auf der Einkaufsliste. Nicht, dass ich dem Stockmann Konkurrenz machen möchte und auch zwei besitzen will – Nein! Meines hat die Pool-Geschichte einfach nicht schadlos überstanden und ich brauche tatsächlich ein neues – Eins!!
Wir fahren zurück und füllen unseren Kühlschrank. Da es wieder Cola hat, ist ein „Captain“ unumgänglich! Während die Sonne auf die Scheitel brennt, brennt der Rum im Rachen und die Leber kommt auf Touren. Ursi ist wieder zurück vom Strand und gönnt der Haut eine Pause. Die Sonne ist am Mittag noch viel intensiver und es empfiehlt sich nicht, in dieser Zeit an diese zu liegen. Zumindest nicht ohne Sonnenschirm oder sonstigen Schutz. Ihr Hintern hat dies schon zu spüren bekommen und schimmert angerötet auf der Terrasse vor sich hin. In der Zwischenzeit vertreiben wir uns die Zeit mit Musik, Lesen und Bier. Später begeben wir uns dann zum Strand. Wunderschön! Wie aus dem Bilderbuch. Auf den ca. 4 km Beach befinden sich gerade Mal 20 Menschen. Die Wellen sind gewaltig und werfen uns beinahe über den Haufen. Wir suchen Muscheln am Strand und finden ein paar schöne Exemplare. Die eine, die ich finde, ist sogar noch ganz. Sieht aus wie eine Kastaniette und klingt sogar ähnlich, wenn man sie auf und zu klappt. Meine Flamencokünste lasse ich aber im Verborgenen um ein Seebeben und damit einen möglichen Tsunami zu verhindern. Nach zwei Stunden am Strand laufen wir zurück zu unserem Bungalow. Es sind etwa 10 Minuten zu Fuss, durch einen kleinen Wald. Hier leben zum Glück keine wilden Tiere. Das einzige Raubtier, im Umkreis von mehreren Kilometern, martert meine Oberschenkel – der Wolf! Breitbeinig watschle ich Richtung Unterkunft und werde gnadenlos ausgelacht. Die Dusche tut gut und lässt die wunde, salzige Haut wieder geschmeidiger werden. Der Sand verschwindet aus der Ritze und die Welt ist wieder in Ordnung.
Bis alle für das Nachtessen bereit sind, schauen wir am Fernsehen Fussball. Das „Dune“ hat Pay-TV und es läuft der FA-Cup aus England. Stocki blättert im Fernsehprogramm und entdeckt dabei, dass Morgen Nachmittag auch noch Fussball läuft. Also kein Strand! Premiere League und Castle Lager für Morgen – die Frauen sind geschockt! Etwa 800 Meter vom „Dune Ressort“ entfernt haben wir ein „Pub & Grill“ gesehen. Dort wollen wir am Abend hin. Der unfreundliche Wirt gibt uns zu verstehen, dass er erst in anderthalb Stunden wieder Platz hat. Drinnen sind jedoch noch zwei Tische frei und draussen hat es eigentlich noch Platz. „Was erlauben Strunz?!“ Wenn du nicht auf uns angewiesen bist, dann red doch einfach Klartext. Wir folgen also dem Tipp von „Margret „, die uns bei der Geldbeutel-Abholaktion vom Nachmittag das „Emilie Moon“ Restaurant empfohlen hat. Der Wegweiser steht prompt am Strassenrand und wir biegen rechts ab. Sieht hier eher nach Industriegebiet aus! Wir fahren weiter. Die Strasse ist stockdunkel. Weit und breit kein Haus in Sicht. Stocki lässt sich dadurch nicht beirren und fährt weiter gerade aus. Nach ein paar Kilometern ist es dann endlich wieder angeschrieben. Jetzt nur noch die Steigung hoch und schon sind wir da. Jetzt suchen wir den Eingang, was sich als schwierig herausstellt. Wir laufen und laufen durch Garten und Gebäude und sind uns nicht so ganz sicher, ob wir je wieder aus diesem Labyrinth herausfinden, geschweige denn, ob hier überhaupt ein Restaurant zu finden ist. Endlich entdecken wir das Lokal und es hat sogar Platz. Sieht sehr edel aus, wie „Margret“ schon gesagt hatte. Der grosse Garten strotzt nur so vor exotischen Pflanzen. Im Kamin, der ebenfalls draussen steht, lodert ein Feuer. Der kleine Pool ist mit Grünzeug umgeben und ein kleiner Wasserfall plätschert ins Schwimmbecken – Wow! Sofort kümmert sich der Manager um uns, bringt Mineralwasser, Wein und die Speisekarte. Vier von fünf nehmen das „Filet Bernaise“, Jöggu nimmt den Fisch. Dieser heisst „Yellotail“ und wird als delikat angepriesen. Das ist er auch! Bei diesem Schuppentier handelt es sich angeblich um einen Raubfisch, der sich von anderen Fischen ernährt. Die Ernährung hat also bis zum Ableben gepasst, also muss das Ding ja gut sein! Das Filet vergeht auf der Zunge und der Kartoffelstock schmeckt fast wie zu Hause. Perfekt! Zum Dessert gibt es „Crème Brulé“, „Semi-Freddo Cake“ und „Panna Cotta“ – lecker! Rotwein und Kaffe sind ebenfalls ausgezeichnet und so erhält das Restaurant, mit dem wunderschönen Ambiente, die maximale Punktzahl. Zufrieden begeben wir uns nach ausführlichen Gesprächen über Gott und die Welt zurück ins „Dune“ und legen uns nieder. Alle sind wieder fit und munter, auch Romina, obwohl sie die riesige Spinne im „Emilie Moon“, beim Verlassen des Restaurants, wieder Mal Blut schwitzen und hüpfen liess. Morgen steht noch mal ein Badetag an, bevor es dann zurück nach Kapstadt geht.
Tag 14: Der Schiss Und Die Zahnfee Wir scheinen mit den drei Tagen in „Plettenberg“ genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Der dritte Tag in Folge bringt erneut schönes Wetter mit sich. Das hatten wir in diesen Ferien bislang noch nicht. Wir frühstücken wieder im „Dune“. Stocki und Jöggu verputzen das Schinken-Käse Omelette, welches sehr lecker aussieht. Aber auch das „Small Breakfast“ hat es in sich. Mit Eiern, Speck, Toast, Tomaten, Orangensaft und Kaffee für ca. Fr. 5.-- wird man ordentlich satt und hat Boden bis in den späten Nachmittag oder sogar Abend. Heute geht’s es noch mal nach „Knysna“. Wir wollen via Internet ein Hotel für die letzten Tage in Kapstadt buchen. Jöggu und Romina kommen ebenfalls mit, während Ursi nochmals an den Strand geht. Der Verkehr Richtung Stadt hält sich in Grenzen und auch das Polizeiaufgebot ist nicht mehr so gross wie gestern. Einzig ein paar Schleicher und Sonntagsfahrer verhindern eine Rekordzeit unter 30 Minuten. Im Internetkaffee läuft nicht viel. Sofort finden wir eine freie Station und machen uns an die Arbeit. In Kapstadt gibt es hunderte von Hotels – sollte also kein Problem sein etwas zu finden. Trotzdem dauert die Suche nach etwas geeignetem über eine Stunde. Schliesslich soll das letzte Kapitel in der Nähe des Zentrums geschrieben werden, wo Shopping und Ausgang Trumpf sind und die Sicherheit der Touris um jeden Preis gewährleistet wird. Stocki reserviert 3 Doppelzimmer im „Protea Hotel“, von dem aus die Waterfront zu Fuss in nur 5 Minuten erreicht werden kann. Da auch im Internetcafé die gleiche bekloppte Musik läuft wie im Radio, verziehe ich mich einen Stock tiefer und suche nach einem CD-Laden.
Die Musik, die hier im Radio gespielt wird, ist übel! Das Schlimmste ist allerdings, dass die Sender wahrscheinlich im Besitz von gerade Mal drei bis vier CD’s sind. Den ganzen Tag immer wieder die gleiche Scheisse! Wenn man den Sender wechselt, fängt das Ganze wieder von vorne an. Die schlimmsten Verbrechen in Sachen Radio waren „Hey Baby“ von „DJ Ötzi“ (was zum Teufel bringt einen Südafrikaner dazu, Technobeats von einem Österreicher zu mögen? Dann noch mit diesen seltendämlichen Texten, welche die Leute hier, aufgrund der Landessprache, auch noch verstehen!) Der zweite Fall, der gegen die „Genfer Konvention“ verstösst und somit als Kriegsverbrechen gewertet werden kann, ist „Coco Jambo“. Dieser belanglose „Reggae Pop“, der bei uns in den Neunzigern Mal angesagt war, ist von der übelsten Sorte! Hätte nicht gedacht, dass ich mir diesen Schwachsinn in diesem Leben noch einmal anhören muss! Pfui Däivel!! Leider ist hier der Heavy Metal nur wenig bis gar nicht vertreten und nach den Verbrechen der Missionare, unserer lieben Kirche, ist hier wohl missionieren nicht so angesagt! Leider finde ich keinen CD-Shop und so muss ich die ca. 7-stündige Autofahrt von Morgen, wohl oder übel mit dem altbekannten Müll hinter mich bringen. Die Gänsehaut reicht bis tief in mein Inneres und massiert mir die Lungenflügel – ich huste!
Wir holen unsere Wäsche ab und fahren zurück nach „Plet“. Auf dem Rückweg versuchen wir es noch einmal beim nahe gelegenen Pub, wo wir gestern abgeblitzt waren. Dieses Mal kann ich für fünf Personen reservieren. Um 20.00 Uhr begeben wir uns ins Restaurant. Das Springbockmedaillon steht auf der Karte. Dieses war vor ein paar Tagen im „Tribes“ so zäh, dass ich es kaum glauben konnte. Das kann doch nicht sein! Zusammen mit Jöggu will ich mich davon überzeugen, dass dies auch besser geht – und es geht! Die vier riesigen Medaillons sind perfekt gebraten und zart. Die Knoblauchsauce ist lecker und wird sicher später für Furore in den Schlafzimmern sorgen haha! Leider hat der „Sepp“ nun mit einem Käfer zu kämpfen, der ihm auf die Nieren schlägt und ihm prompt den Appetit verdirbt. Romina hat den Kampf gegen ihren Käfer definitiv gewonnen und kämpft nun mit dem „Thai Chicken“. Stocki ist dem Kudu bei weitem überlegen und Ursi bezwingt ihr „Ladies Filet“, welches läppische 300 – 400 Gramm wiegt, nach einigen Seufzern und Durchschnaufern, schlussendlich auch. Die Fleischfresser stauen ab der zierlichen Person, die sonst nach ein, zwei Rädchen Salami oder einer Tranche Aufschnitt schon genug hat – Respekt! Zufrieden bezahlen wir bei der Serviertochter, die heute wahrscheinlich ihren ersten Arbeitstag hat. Scheu und murmelnd hat uns die junge Frau bedient und ist sichtlich erleichtert, dass es uns geschmeckt hat. Der Nörgel-Chef war zum Glück den ganzen Abend nicht zu sehen und die Asthmatiker von Tisch eins haben sich auch verzogen, nachdem sie uns darauf hingewiesen hatten, dass wir doch bitte mehr als fünf Meter von ihrem Tisch weg rauchen sollen. Das tun wir dann auch – wir sind ja schliesslich keine Unholde! Asthmatiker sind ja angeblich die fröhlichsten Menschen auf der Welt, da sie den ganzen Tag pfeifen! Diese Tatsache scheint aber bei diesen unfreundlichen Kerlen nicht zuzutreffen.
Wir fahren ins Hotel zurück und machen uns bettfertig. Morgen hat Drillseargent Stocker die Tagwache auf Null Sechshundert festgelegt! Wehe dem, der dann nicht vor dem Auto steht! 50 Liegen!! Ich verziehe mich auf die Toilette und fröne meiner Scheisshauslektüre, dem „Rockhard“. Der abendliche Schiss ist lang und intensiv. Nach dreimaligem Spülen ist endlich die ganze Wurst verschwunden, was bleibt ist ein Geschmack, der die Augen tränen lässt. Das hätte den Asthmatikern bestimmt den Rest gegeben! Ich warne Stocki und bitte ihn, noch ein wenig zu warten und den Lüfter vor dem Zähneputzen noch ein paar Minuten laufen zu lassen. Nix da! Ein echter Drillseargent lässt sich doch von ein paar Exkrementen nicht in die Flucht schlagen. Bewaffnet mit Zahnbürste und Pasta macht sich der mutige Einzelkämpfer auf den Weg in die Höhle des Löwen. Nach wenigen Sekunden hört man schon Würgegeräusche aus dem Bad nebenan. Die erste Runde geht an meinen Schiss. Das Würgen geht weiter und nach kurzer Zeit steht die Zahnfee André mit dem Putzzubehör im Schlafzimmer und schüttelt nur noch den Kopf. Die WC-Türe ist geschlossen und ich krümme mich vor Lachen auf der weichen Matratze. Romina und Jöggu begeben sich ins Badezimmer im unteren Stock – eine weise Entscheidung! „Die Schlacht ist zwar verloren aber der Krieg noch lange nicht“ gibt mir Stocki zu verstehen und kündigt damit indirekt die Rache an. Noch lange lachen wir uns in den Schlaf und unterhalten damit Ursi, die sich das Ganze im Parterre anhören muss. Die Gase, die noch immer durch den Türspalt schleichen, lassen uns sanft einschlafen. Hoffentlich erwachen wir dann auch wieder!
Tag 15: Revanche In Cape Town Um sechs klingelt wie angedroht der Wecker. Ungeschickt packe ich meine Tasche, die irgendwie immer voller zu werden scheint. Irgendwann schaffe ich es dann aber doch noch und komme so auch noch zum Frühstück. Dieses Mal entscheide ich mich ebenfalls für das Omelette, bekomme dazu noch den Speck von Ursi’s Frühstück und verdrücke die Kalorienbombe, die bis zum Abend reichen wird. Wir geben dem Kellner ein grosszügiges Trinkgeld für seine Dienste und machen uns auf den Weg. Schon nach ein paar Kilometern staut der Verkehr bereits und die Polizei steht auf der Strasse. Was ist denn da los? Auf der linken Seite sehen wir einen Tankwagen, der neben der Strasse liegt. Zum Glück nur ein Milchtank! Also lediglich ein kleiner Gafferstau, der den Verkehrsfluss nur kurz aufhält. Nach etwa zweieinhalb Stunden machen wir den ersten kurzen Stopp. Blasen entleeren, Raucherlungen füllen – weiter! Nach einer weiteren Stunde und bereits der Hälft der Strecke halten wir an einer Raststätte und Tanken unser durstiges Gefährt. Stocki bestellt sich einen „Chicken Pie“ (igitt! Hühnerkuchen?!) und Jöggu einen Cheeseburger. Leider ist er immer noch nicht richtig fit und verträgt den Burger nicht wirklich. Ich bestelle mir ein Fanta Orange und stelle fest, dass die Limonade viel süsser schmeckt als zu Hause. An der Tanke regnet es wieder wie aus Kübeln. Immer wieder fahren wir den Regenwolken davon, die uns kurz darauf wieder einholen, um sich erneut über uns zu entleeren. Unser Scheibenwischer ist ein Witz! Trotzdem fährt Stocki mit 140 Sachen durch die Regenschauer. Ich kralle mich im Sitz fest und schwitze wie ein Schwein. Die Arme, die ich auf meinen Oberschenkeln platziere, sondern soviel Schweiss ab, dass meine Shorts komplett nass werden. Hätte wohl doch besser die Badehose für die lange Fahrt anziehen sollen.
Wir kommen wirklich gut voran und staunen, wie kurz uns die Rückfahrt vorkommt. Gegen halb drei sind wir schon kurz vor Kapstadt und legen eine letzte Rauchpause ein. Bei diesen Pausen sind die Herren schon viel besser dran. Da wird einfach kurz am Strassenrand ausgepackt und lost geht’s. Einzige Regel an die Mann sich halten muss herrscht auch zu Hause „Immer mit dem Wind pissen!“ Eine einfache Regel! Da haben es die Ladies schon schwieriger. Ist nicht ganz einfach auf die Schnelle ein passendes Gebüsch zu finden. Vor allem kommt im Voraus immer der Kontrollblick, ob entsprechendes Gebüsch auch unbewohnt ist! Hier Hüpfen auf jeden Fall Käfer, die wie Strohhalme aussehen, durch die Gegend und das macht schon nachdenklich, wenn man sich bücken muss. Wenigstens kommt kein Auto entgegen. Nicht wie beim letzten Halt, wo die beiden Rücken an Rücken nach Erleichterung suchten und dann von einem „Chuck-Norris-Verschnitt“ mit Cherokee Jeep beäugt wurden. Wir passieren erneut das etwa 30 Kilometer lange Armenviertel vor Cape Town. Nach den Luxustagen kommt einem dies vor, wie am ersten Tag! Horror diese Zustände!
Wir checken in unserem Hotel „Breakwaterloge“ ein. Dies ist ein ehemaliges Gefängnis und mit entsprechend hohen Mauern umgeben, die oben zusätzlich mit Glasscherben verziert sind. Landen wir also doch noch im Knast! Beim Beziehen der Zimmer im Zellenblock D kommt es einem zumindest so vor. Die Räume sind einfach aber O.K. Das Doppelzimmer, welches ich mit Stocki teile, hat leider nur ein Bett, das nicht einmal auseinander genommen werden kann. Das würde ja noch gehen aber es hat auch nur eine Decke!! Zudem ist das Ding so schmal, dass ein Zwangskuscheln unumgänglich wird. Sogar Jöggu und Romina, die sich ebenfalls ein Bett teilen, jammern über den fehlenden Platz und die beiden wiegen zusammen etwa soviel wie einer von uns! Da braucht es wohl ein paar Bier, dass man überhaupt schlafen kann! Kurz geduscht und schon geht’s ab an die Waterfront. Das „Ferry Man’s“ ist nahe gelegen und dort waren wir ja letztes Mal schon auf ein paar Bierchen – also los! Jöggu geht nach einem Mineralwasser zurück ins Hotel, da er sich überhaupt nicht wohl fühlt. Den Cheeseburger hatte er schon im Voraus im Hotel gelassen, sprich sich das Mittagsmenü nochmals durch den Kopf gehen lassen – gute Besserung Sepp!
Wir nehmen noch das eine oder andere Bierchen, bevor wir spontan zum Italiener marschieren um etwas zu essen. Ein tolles Restaurant, welches sehr viel Wert auf originalgetreue, italienische Küche legt. Man kommt sich wirklich fast vor, wie in Italien. Hoffen wir Mal, dass am nächsten Morgen kein Pferdekopf unter der Bettdecke liegt. Rominas Spaghetti mit Meeresfrüchten werden in transparentem Geschenkpapier serviert und von der Kellnerin am Tisch ausgepackt – cool! Die Vollblutitalienerin hatte schon Entzugserscheinungen nach Pasta! Jetzt wo Jöggu krank im Bett liegt und fast die genau gleichen Symptome aufweist, wie seine Freundin ein paar Tage zuvor, wird allen klar, dass Romina wohl doch nicht an einem Sonnenstich gelitten haben kann. Jetzt ist sie zumindest wieder fit und läutet den Abend mit einem lauten Furz auf der Terrasse ein – hossa! Das Buffet ist eröffnet! Die Pizzas sind gross und lecker. Leider ist unser Vierertisch eher für zwei Personen gedacht und es stellt sich als äusserst schwierig heraus, hier normal zu essen. Irgendwie bringen wir es dann aber doch noch fertig. Mal abgesehen von meinem kleinen Ausrutscher auf dem Teller, bei dem mir ein grosses Stück von der Mafia-Torte auf den Schoss fällt. Zum Dessert nehme ich ein Weltklasse-Tiramisu und ernte dafür keinen Applaus von meiner Wampe, die schon seit längerem ein paar Zentimeter über den Hosenbund herausragt. Stocki entscheidet sich für den, von der Serviertochter empfohlenen „Chocolate Flan“, der anscheinend der Beste in der ganzen Stadt sein soll. Ist er wahrscheinlich auch, findet Stocki aber was nützt es einem, wenn man gar nicht gern Flan hat? Viel zu süss ist diese Mischung aus Torte und Pudding! Die Frauen sorgen mit einem Grappa dafür, dass kein Käfer mehr die Chance hat, die letzten Tage zu vermiesen. Zum Schluss kaufen wir noch eine Flasche Wasser für Jöggu, der via SMS verlauten liess, dass er noch nichts zu futtern verträgt. Vielleicht sieht es ja Morgen wieder besser aus.
Zu Fuss schlendern wir zurück zum Hotel, wo wir auf dem Zimmer von einer riesigen Kakerlake begrüsst werden. In der Schweiz würde man für so ein Teil eine Art Hundesteuer zahlen aber hier scheint das normal zu sein. Stocki revanchiert sich im Hotel mit einem Gewaltsschiss, bei dem ich diesmal schauen muss, dass ich die Pizza im Magen behalten kann. Mann! Ich habe verstanden und es tut mir ja Leid wegen gestern! Aber bitte nicht noch einen draufsetzen! Nun kommt der härteste Akt des Tages. Einnisten im Minibett steht auf dem Programm. Die beiden Ärsche, die jeden Wasserbüffel vor Neid erblassen lassen, müssen irgendwie platziert werden. Man kommt sich vor wie damals mit 3 Jahren, als man verzweifelt versucht hat, den viereckigen Holzklotz in die dreieckige Öffnung zu stopfen. Nach langem hin und her ist dann endlich alles so wie es sein muss und wir versuchen zu schlafen. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren und bläst mir ins Gesicht. Bei den Kommoden neben dem Bett ist auf beiden Seiten die Schublade geöffnet, denn da legen wir unsere Arme drauf, damit man wenigstens ein bisschen mehr Platz in der Mitte hat – was für ein Bild! Auf dem Flachbildfernseher läuft ein Film, der mir nach spätestens fünf Minuten am Arsch vorbei geht. Irgendwann bin ich weggetreten, träume von Kakerlaken und hoffe, dass unser Bett wenigstens die erste Nacht übersteht.
Tag 16: Der Markt In Kapstadt Der Markt in Kapstadt ist bekannt und beliebt unter den Souvenirjägern. Zudem bezahlt man hier viel weniger, als in den etablierten Souvenirshops – da wollen wir also heute hin. Der Treffpunkt ist vor dem Hotel um 09.00 Uhr. Ohne etwas anderes abzumachen treffen sich alle im zweiten Stock in der Smokinglounge – Raucher eben! Jöggu geht es ein wenig besser, doch die Monstershoppingtour lässt er dann doch lieber aus und stösst erst im Verlaufe des Nachmittags zu uns. Nach dem Frühstück laufen wir durch die Stadt. Es sind etwa 30 Minuten bis zum Markt. Die Markstände sind alle komplett überfüllt mit etlichem Krimskrams. Das ganze wirkt wie ein unübersichtliches Chaos! Die Verkäufer kennen sich jedoch bestens aus und helfen einem gerne das Gesuchte zu finden. „Hello my friend“, How are you“ und natürlich „Where are you from“ sind die Standardbegrüssungen an jedem Stand. Ach ja! Der mit dem „Good Price“ darf natürlich auch nicht fehlen. Allerdings sind die Menschen hier nicht extrem aufdringlich und lassen einem ohne grosses Tamtam zufrieden, wenn man sich nur Mal kurz umschauen will. Wir ernennen ein Restaurant zum Treffpunkt, falls man sich verlieren sollte oder, was eher wahrscheinlich ist, die Herren die Lust und die Geduld verlieren. Ursi und Romina stürzen sich ins Getümmel. Den Verkäufern steht der Angstschweiss auf der Stirn. An so was sind nicht einmal die afrikanischen Händler gewohnt. Kennt ihr noch diese Szenen aus den alten Asterix Comics, wenn die Gallier lärmend ein Römerlager stürmen und dabei alles über den Haufen rennen, das nicht bei drei auf den Bäumen ist? In etwa so muss man sich das vorstellen!
Stocki und ich treffen auf „Tando“, ein lustiger Kerl, der hier Obdachlosenzeitungen verkauft. Stocki kennt ihn bereits von seinen bisherigen Marktbesuchen. Wir staunen, dass er Stocki auf Anhieb wieder erkennt. Sofort kommt er auf ihn zu und begrüsst ihn per Handschlag. Auch ich werde begrüsst und Tando erklärt mir, dass André sein bester Freund auf der ganzen Welt sei. Nachdem ich ihm eine Zeitung abgekauft habe, gehöre ich auch zu seinem auserwählten Freundeskreis, wie wahrscheinlich noch tausend andere Leute auch. Hauptsache er freut sich und versucht was aus seinem Leben zu machen. Dieser sympathische, abgemagerte Kerl macht einen guten Job und verkauft fleissig Zeitungen. Erst Mal was trinken heisst unsere Devise. Wir gehen in ein kleines, kurdisches Restaurant um die Ecke und genehmigen uns das erste Bier des Tages. Durch die Lautsprecher schallt fürchterliche, orientalische Musik und so trinken wir zügig aus. Stockis Handy klingelt. „Ja Guten Tag Herr Spöck!“ ein Lieferant mit dem er geschäftlich des Öfteren zu tun hat, ist auch in Kapstadt. Er möchte sich später noch mit ihm treffen – wieso eigentlich nicht.
Nun machen auch wir unsere erste Runde durch den Markt. Nach drei Ständen wird mir schwindlig vor lauter kucken, „Hello Sir“ hier, „Special Price“ da. Stocki kauft ein paar Kleinigkeiten für die Kollegen und Kolleginnen zu Hause. Dabei wird ohne rot zu werden über die Preise gefeilscht, dass mir die Schamesröte ins Gesicht steigt. Man muss hier natürlich verhandeln! Wie überall sind hier die Anfangspreise völlig überhöht und man wäre ein Volltrottel, diese zu bezahlen, auch wenn sie für unsere Verhältnisse schon zu Beginn sehr niedrig sind. Stocki entpuppt sich als gnadenloser Geschäftspartner für die Halsabschneider. Die Strategie ist klar aber hart! An einem Stand lässt er sich mehrere kleine Sachen einpacken. Dann macht einer der Verkäufer einen folgeschweren Fehler. Er will dem Stockmann den Aschenbecher andrehen, den er vorher bei mir nicht losgeworden ist. Er nennt seinen Preis. Stocki geht sofort auf die Palme und schlägt ihm einen Bruchteil seines Verkaufspreises vor. Der Verkäufer lächelt – noch! Dies sei kein Witz gewesen, meint Stocki ernst. Der Händler winkt ab und geht mit seinem vorgeschlagenen Preis ein wenig herunter. Nix da! Stockis Preisvorstellung ist klar und jetzt kommt der vernichtende Gegenschlag. „Entweder du gibst mir den Aschenbecher zu diesem Preis, oder du kannst die anderen Sachen gleich wieder auspacken!“ Ich schlucke leer und starre auf den Boden. Jetzt schaut nicht mich an ihr Idioten! Ihr wolltet dem Stocki was verkaufen, nicht ich! Die beiden Brüder sprechen sich in ihrer Landessprache ab und wirken dabei nervös. Einerseits wollen sie die anderen Souvenirs unbedingt verkaufen, andererseits sprengt der Preis für den Aschenbecher wohl wirklich den Rahmen und scheint zu schmerzen. Nach langem hin und her gibt der Verkäufer nach und so wechselt der Zigi-Behälter aus Ebenholz für läppische Fr. 2.50 den Besitzer. Wow! Wie unverfroren muss man sein, um so etwas durchzuziehen? Respekt! Die beiden haben aber mit den restlichen Souvenirs bestimmt einen guten Handel gemacht und so können am Ende beide Parteien zufrieden sein.
Weiter im Text! Von Zeit zu Zeit laufen wir Ursi und Romina über den Weg. Sie haben schon vieles ersteigert. Sonnenbrillen, Armreifen, Ringe, Giraffen aus Holz usw. Vor allem die Giraffen waren von Anfang an ein begehrtes Objekt. Auch hier sind die Kosten am Markt um das fünffache niedriger als in den Shops und können sogar noch ein wenig heruntergehandelt werden. Die Holzviecher sind allerdings ziemlich gross und unhandlich. Der Plan der Frauen sieht vor, uns die Dinger abzugeben, damit wir darauf aufpassen und sie in aller Ruhe noch eine weitere Runde drehen können. Sie gehen zum Treffpunkt, doch wir sind gar noch nicht da. Staunen macht sich breit. Das kann doch nicht sein, dass wir beide länger unterwegs sind als die Profi-Shopperinnen. Oh doch! Irgendwann laufen wir, ohne es zu merken, an den beiden vorbei. Eigentlich hatten sie gedacht, dass wir uns zu ihnen setzen und endlich auf die Giraffen aufpassen. Doch weit gefehlt! Ohne ein Wort zu verlieren biegen wir in die nächste Gasse des Marktes ein. Jetzt verstehen die beiden die Welt nicht mehr und bestellen ein Glas Weisswein. Etwas später sehen wir sie dann endlich und setzen uns zu ihnen. Jetzt kommen wir nicht mehr darum herum den Aufpasserjob wahrzunehmen und geben uns geschlagen. Nach etwa einer Stunde haben dann auch die Ladies genug gesehen und wir schlendern mit unseren Taschen zurück zum Hotel. Es ist heiss und der Weg scheint weiter zu sein als am Morgen. Kurz vor dem Hotel lässt Romina die erstandene Giraffe zu Boden fallen. Oh nein! Nochmals zurück? Nein! Zum Glück ist nichts passiert. Im Hotel verstauen wir die Souvenirs und treffen Jöggu. Wieder ab an die Waterfront ins „Ferry Man’s“, welches sich langsam aber sicher zu unserer Stammkneipe entwickelt.
Der Kellner der heute arbeitet ist ein Trottel und fragt gleich hundertfach nach, was wir denn jetzt schon wieder bestellt haben. Das kann doch nicht so schwer sein! Der zahnlose Weisse nervt gewaltig und bringt mich zur Weissglut. Als Jöggu wieder zurück ins Hotel geht und Ursi noch eine Runde durch das Shoppingcenter dreht, gehen wir anderen ins „K 4“. Die Gartenterrasse ist direkt am Meer. Wir bestellen die Cocktailkarte. Stocki bestellt einen Baccardi-Cola, was die Kellnerin verdutzt dreinschauen lässt. Die kennen das hier tatsächlich nicht! Sie bringt einen Baccardi, dazu ein separates Cola und rümpft die Nase, als Stocki das Ganze zusammenmixt. Romina trinkt einen Cocktail aus einem James-Bond-Martini-Glas der es wahrlich in sich hat. Mein Drink heisst berechtigterweise „Call Me A Taxi. In diesem sind diverse Hochprozentige enthalten und das Ding ist unheimlich süss. Liegt wohl am Pfirsich und Bananenlikör – brrr! Auf jeden Fall verpassen uns die Drinks einen zünftigen Nachmittagsrausch.
Neben uns haben sich ein paar Engländer niedergelassen. Wie üblich saufen hier die Frauen in etwa gleich viel wie in anderen Ländern die Typen! Auf dem Tisch steht zumindest gleich ein Literkrug mit blau gefärbtem Schnaps. Der eine Typ hat proportional zu seinem Körper eine viel zu kleine Rübe, weshalb wir ihn den „Schrumpfkopf“ nennen. Ein furchtbarer Kerl! Er und seine Freundin wackeln dauernd auf der Sitzbank herum, bis der massive Holzbank plötzlich mit einen lauten Knall auseinander bricht. Die korpulente Engländerin und der Schrumpfkopf liegen am Boden, die anderen sind geschockt. Die Gäste rundherum und natürlich auch wir können sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Die Engländer sind verärgert und machen Theater. Vor allem sie hat sich ziemlich wehgetan und wirft dem „Shrunken Head“ ein paar böse Blicke zu. Selber Schuld Fuckers! Wir bestellen mehr Schnaps. Ich nehme einen Wodka Redbull. Keine Ahnung wieso, denn eigentlich hasse ich das Zeug. Die Kellnerin fragt mich ob ich einen „Double“ möchte. Da ich sie nicht verstanden habe nicke ich einfach Mal und erhalte wie bestellt einen doppelten Wodka – bravo! Das Zeug fährt mächtig ein. Als ich anschliessend mit Romina ins Einkaufscenter gehe um Shampoo zu kaufen, torkeln wir beide durch die engen Korridore zwischen den Gestellen. Puh! Die Schrift auf den Verpackungen ist viel zu klein und verschwommen in dem Zustand. Nachmittagscocktails scheinen nicht gut für die Augen zu sein!
Langsam kommt der Hunger. Bei mir zwar überhaupt nicht, da der Cheeseburger immer noch aufliegt. Trotzdem geht’s ins „Balthazar“, ein Grillschuppen der nobleren Sorte. Wir setzen uns auf die Terrasse und bestellen. Für mich gibt’s heute nur einen „Starter“. Die Vorspeise reicht jedoch völlig. Stocki erhält dafür ein riesiges Steak. Ich schätze das Fleisch auf ca. 600 Gramm. Dazu gibt es einen guten Rotwein. Es ist sehr gemütlich hier, weshalb wir eine zweite Flasche bestellen. Nun trifft auch Stockis Lieferant mit seiner Frau ein und leistet uns Gesellschaft. Der aufgestellte Bayer ist redselig und erzählt diverses in breitem Bayern-Slang. Ich verstehe kein Wort. Da braucht es wohl noch ein paar Gläser Wein, um diesem Dialekt in dem Tempo folgen zu können. Trotzdem ein sympathischer Mensch! Die Desserts sind wieder einmal extrem köstlich. Die dritte Flasche weniger, die hat nämlich „Zapfen“! Egal! Wir trinken das Zeug trotzdem. Langsam wird es lustig am Tisch. Romina zerschlägt beim Abstellen ihr Glas, ich schenke den restlichen Wein ein, was dem Kellner gar nicht passt. „I’ll give you a hand Sir“ – hau bloss ab! Mit deinen Händen will ich gar nichts zu tun haben! „Er will dir nur helfen“ meint Stocki. Als er nach der Flasche greifen will, um mir einzuschenken, drehe ich mich ab und fauche! Ich kann selber einschenken grrrr! Der Mann mit der Fliege verreist beleidigt. Wir bestellen noch eine vierte Flasche, damit er wieder was zu tun bekommt. Das wird teuer! Wir sind halt sehr sozial eingestellt haha! Heute bezahlt jeder einzelne soviel, wie normalerweise die ganze Gruppe! Jedoch was heisst teuer? Jeder Fr. 65.-- für Menü inkl. Nachtisch und eine Flasche Rotwein pro Kopf. Wer will denn da schon meckern. Langsam aber sicher hat es fast keine Leute mehr an der Waterfront. Für uns ist es auch Zeit zu gehen und so wanken wir Richtung Hotel. Selbst nach Mitternacht und mehr oder weniger alleine auf der Strasse kommt nie ein ungutes Gefühl auf. Zumindest in diesem Stadtteil nicht. Obwohl Kapstadt zu einer der gefährlichsten Städte auf der Welt gehört, hatte ich mir das viel schlimmer vorgestellt. Es gab bislang überhaupt keine Probleme, nur freundliche Leute und viel zu sehen. Hoffen wir Mal, dass dies so bleibt. Im Hotel gibt es dann noch das beste Schlafmittel der Welt – Snooker am Fernsehen – gähn! Nach fünf Minuten bin ich weg vom Fenster. Kollege Essig, die Kakerlake vom Dienst, ist nirgends zu sehen. Wahrscheinlich habe ich den knusprigen Kollegen gestern Nacht im Schlaf verspeist!
Tag 17: Shop Around The Clock Da wir gestern etwas viel gegärten Traubensaft getrunken haben, treffen wir uns heute etwas später. 10.00 Uhr Smokinglounge! Romina erscheint wieder ohne Jöggu. Verdammt! Dieser verfickte Käfer hält sich hartnäckig. So macht das natürlich keinen Spass. Also noch mal ein Tag im Hotel für ihn in der Hoffnung, dass wenigstens der Rückflug einigermassen komfortabel überstanden werden kann.
Wir gehen ins „K 4“ zum Frühstück und treffen dort auf „Dani“, ein Schulkollege von Stockis Englischklasse hier in Kapstadt. Er war 18 Tage mit einer Reisegruppe von Johannesburg nach Kapstadt unterwegs und weiss so einige, witzige Anekdoten von diesem Adventure-Trip zu erzählen. Zum Beispiel die Geschichte von der einen Ranch hat es in sich. Das Angebot für die Reisenden bei diesem Stopp war Ponyreiten, Quadfahren und Biken. Jedoch hatte es keine Ponys, die Quads waren alle defekt und zum Biken war es bereits zu dunkel. Hmmm! Tolles Angebot aber auch haha! Auch die Story mit der Schlange im Zelt fand Anklang. Die Tourleiterin teilte ihm mit, dass sie die Schlange, welche gerade eben in sein Häuschen gekrochen war, in der Dunkelheit nicht so recht erkennen konnte. Wahrscheinlich sei es eine harmlose Sorte aber es könnte sich auch um eine schwarze Mamba handeln. Er könne ja mit ihr das Zelt tauschen, wenn er wolle – was für eine Frage!!!!!! Ich an meiner Stelle hätte komplett abgedreht und hätte die Nacht stehend verbracht und zwar nicht am sonder IM Feuer! Sicher ist sicher! Auf jeden Fall ist dieser aufgestellte Kerl sehr unterhaltsam. Da er irgendwo im Aargau haust, ist ein Widersehen in der Heimat nicht ausgeschlossen.
Wir verschlingen in der Zwischenzeit das „Captains Breakfast“, das es in sich hat. Natürlich ist hier, nicht wie bei unserem „Captain“, kein Rum-Cola enthalten, dafür aber Speck, Rühreier, Rindswürstchen, Toast, Pilze und so weiter. Nach dem Beinahe-Mittagessen geht es nochmals auf einen Rundgang durch die Shops. Das Einkaufscenter an der Waterfront ist ja schon riesig und beinhaltet etwa 300 Geschäfte. Ursi und Romina haben sich sagen lassen, dass es in der Stadt ein noch grösseres Zentrum gibt. Der „Canal Walk“! Da sind noch rund 100 Läden mehr vorhanden, wo man sich verweilen kann. Sie nehmen das gerne in Kauf, wir verzichten dankend. Um 12.00 Uhr Mittags geht es los, um 19.00 Uhr treffen wir uns wieder. 7 Stunden Shopping – wie kann man das bloss freiwillig über sich ergehen lassen! An der Waterfront hat es eine grosse Bühne mitten im Zentrum. Da spielen die verschiedensten Bands. Heute ist Blues, Jazz und afrikanische Musik auf dem Programm. Die Waterfront ist überfüllt mit Menschen und das Interesse an den Bands riesig. Wir nehmen als Nachmittagssnack einen „Double-Cheeseburger“ im „Dodge“ zu uns und treffen später einen weiteren Schulkollegen von Stocki. „Amarildo“ ist aus Angola, in Lissabon wohnhaft und arbeitet demnächst in Dubai bei einer Ölfirma. Ein witziger, kleiner Typ, der nach eigener Aussage ständig irgendwo eine Frau an der Angel hat. Nebst der festen Freundin natürlich – hüstel!
Ich mache einen Rundgang durch den riesigen CD-Laden, kaufe aber nichts, da solche Artikel hier nicht günstiger sind als bei uns. Stocki und ich trinken ein paar Bier im „Ferry Man’s“, bis Romina und Ursi eintreffen. Die Ladies haben ihre Shoppingtour überstanden und bringen das Material standesgemäss ins Hotel. Im gleichen Zug holen sie auch Jöggu für das Nachtessen ab. Wie am ersten Tag, haben wir auch am letzten Abend noch einmal im „City Grill“ reserviert und wollen uns ein letztes Mal vom Grill-Gott verwöhnen lassen. Der Manager steuert auf mich zu, als ich draussen eine rauche. Er erkennt mich sofort wieder und das nach nur einem Besuch, seit dem ja auch schon wieder drei Wochen vergangen sind. Wow! Da muss ich wohl Eindruck gemacht haben. Das Essen ist erneut göttlich und wir geniessen den letzen Abend in Kapstadt. Dies vor allem, weil wir seit Tagen endlich wieder einmal vollständig am Dinner teilnehmen. Das Vanille Eis mit Schokosauce bildet den Abschluss eines gelungenen Abends. Mit Wehmut laufen wir ein letztes Mal die Strecke bis zum Hotel. Morgen geht’s zurück in die Schweiz. Beni Sax liess per SMS verlauten, dass die Seen gerade am einfrieren sind! Schluss mit T-Shirt tragen! Nix da mit Sommer, Sonne, Strand und vorbei die Zeiten, wo man schon vor dem Mittag ein Bierchen oder einen „Captain“ schlürfen konnte. Ach was! Zu Hause wird’s ja auch wieder einmal Wochenende! Also bloss keine Sorge. Wir schmunzeln noch immer über den Biker, den wir am Nachmittag an der Waterfront getroffen haben. Bei 35 Grad im Schatten, trug dieser seine Langarm-Lederjacke mit dem „Hells Angels Switzerland“ Aufdruck. Da waren wir froh, dass wir nicht tauschen mussten. Aber so ist nun Mal das Bikerleben – Traditionen werden gelebt – ob es nun heiss ist oder nicht!
Tag 18: Das Schreiende Kind Und Der Temperaturschock Am letzten Tag fällt das Aufstehen schwer. Immerhin stehen erneut 15 Stunden Flugzeit auf dem Programm. Fuck off! Stocki duscht ein letztes Mal im Bad von unserer Mini-Unterkunft und flucht wie ein Rohrspatz, da sich die Wassertemperatur wieder einmal nicht fachgerecht einstellen lässt. Entweder heiss oder kalt! Was zwischendurch gibt’s nicht. Wenn es für einmal kurz angenehm ist, kommt der Wechsel abrupt und verbrüht einem die Haut oder verpasst einem postwendend wieder eine Gänsehaut. Beim Part mit dem heissen Wasser, kommt man sich vor, wie der Hummer vom Dienst, ausser dass man halt flucht statt pfeift. Nachdem wir beim Hotel ausgecheckt haben, geht es ein letztes Mal zum Morgenessen an die Waterfront. Im „San Marco“ sieht es gemütlich aus. Das Restaurant ist komfortabel und das Frühstück lecker. Einzig das Organisieren von Zigaretten stellt sich als schwierig heraus. Zuerst ist der Automat nicht in Betrieb. Nachdem der Kellner den Automaten eingeschaltet hat, brauche ich Kleingeld. Ich frage ihn, ob er mir eine 50 Rand Note wechseln könne. Das wären in etwa 8 Franken. Keine Chance! Der Kellner fragt den Manager, der Manager den Geschäftsführer, aber keiner will etwas mit dem Geldwechsel zu tun haben. So gehe ich halt zurück an unseren Tisch und wechsle bei Stocki Münzen für den Fufziger. Der hat nämlich in seinen ZWEI Geldbeuteln mehr Klimpergeld, als alle Läden an der Waterfront zusammen. Das hätten wir – also los! Das Problem bei südafrikanischen Zigarettenautomaten ist aber, dass die Münzen höchst selten auf Anhieb akzeptiert werden. Man wirft quasi jede Münze zweimal ein, bevor sie endlich da stecken bleibt, wo sie hingehört. Da ich zwei Päckchen beziehen will, stehe ich also eine gute Viertelstunde vor dem Ding und drehe beinahe durch. Der Kellner grinst mich an. Falsche Geste mein Herr! Man lacht keinem angesäuerten Raucher, der an diesem Tag nach Hause muss und im Moment gerade keine Glimmstängel besitzt ins Gesicht. Schon gar nicht um diese Zeit!! Ich klopfe wie ein Specht gegen den Automaten, das Lächeln vom Kellner verschwindet sofort und er begibt sich hinter den Tresen in Sicherheit. Er tut so, als hätte er was zu tun. Wenn er jetzt Kleingeld zu zählen beginnt, das er vorher angeblich nicht hatte, ist er fällig!
Ich schlürfe genüsslich meinen Kaffe und rauche eine Beruhigungszigarette. Dazu verzehre ich mein „Croissant mit Ham & Cheese“. Das „Gipfeli“ ist flachgedrückt wie eine Flunder und tatsächlich mit Schinken und Käse gefüllt. Komisch aber lecker. Nach dem Frühstück geht Stocki noch ein letztes Mal bei seinem „Hostfather“ vorbei. „Clint“, ein schwuler Coiffeur, bei dem er während der Schulzeit gewohnt hat, freut sich über den Abschiedsbesuch und vor allem über den Alkohol, dem wir ihm überlassen. Der „Captain“ wechselt also den Besitzer! Dazu eine Flasche Baccardi und eine Flasche Schampus. Der Analprofessor wird sich wohl über letztere am meisten gefreut haben. Nach den letzten Einkäufen treffen wir uns wieder im „Ferry Man’s“ und nehmen den allerletzten Marsch zum Hotel in Angriff. Wenigstens durften wir den Mietwagen noch bis zur Abfahrt auf dem bewachten Parkplatz stehen lassen. Mit dem Daktari-Mobil geht’s nun an den Flughafen. Dort nimmt der Vermieter den Wagen entgegen und inspiziert das Gefährt genau. Klar, dass ihm die, von Steinschlägen gezeichnete, Frontscheibe nicht entgeht. Leider sind diese Schäden nicht in der Versicherung enthalten und so bezahlen wir 300 Franken für die zerdonnerte Scheibe. Wir hatten mit mehr gerechnet und so hält sich der Ärger in Grenzen. Der letzte Gang vom Parkplatz bis zum Check-In erinnert mich irgendwie an „Dead Man Walking“. Unsere Gesichter sind ähnlich deprimiert, wie das des Todeskandidaten, der seinen letzten Gang von der Todeszelle bis zum elektrischen Stuhl antritt. Am Schalter geben wir unser Gepäck auf. Stockis Koffer ist zu schwer, meiner dafür leicht genug. Das gleicht sich irgendwie wieder aus und so muss wenigstens keiner für das Übergewicht bezahlen. Die Holzgiraffen müssen ebenfalls gewogen werden und erhalten einen Kleber. Diese müssen mit dem Gepäck verstaut werden und können nicht mit dem Handgepäck mitgeführt werden. Berechtigterweise setzen die Frauen einen misstrauischen Blick auf. Kann das gut gehen? Diese feinen Holzschnitzereien zwischen all den schweren Koffern? Das bricht doch! Wird schon schief gehen.
Wir holen unsere Boardingpässe und gehen noch mal nach draussen um ein paar zu Rauchen. Der Herr an der Passkontrolle verwickelt mich in ein ausführliches Gespräch und fragt mich, wann ich denn wieder nach Südafrika zurückkommen werde. So rasch wie möglich natürlich! War wirklich sensationell bei euch! Er erzählt mir bereits von der Fussball WM 2010 und schaut meinen Pass gar nicht richtig an. Der dunkelhäutige Kontrolleur wünscht mir eine gute Heimreise – ein sympathischer Abschluss! Nun geht der neunstündige Flug nach Dubai bald los. Leider hat der Flieger Verspätung, weshalb wir eine Ewigkeit in der Halle warten. Geraucht werden darf hier natürlich nicht. Nachdem wir endlich einsteigen können, nehmen wir die Plätze ein und inspizieren sogleich die Flatscreens um zu sehen, ob es wieder neue Filme anzuschauen gibt. Es sind rund 50 Filme, die jeder einzelne Passagier individuell auswählen kann. Das sollte reichen bis Dubai! Der Captain begrüsst uns, der Flug geht los und damit leider auch das ununterbrochene Gezeter eines kleinen Kindes. Der Schreihals bringt es doch tatsächlich fertig, den ganzen Flug über zu plärren. Ich ignoriere mein zuckendes Augenlied und die angeschwollene Ader an der Schläfe vorerst. Ich schraube das Volumen meines Kopfhörers wieder Mal auf Anschlag aber auch das hilft nicht wirklich. Das Weinen ist nicht zu überhören. Jetzt halt doch endlich Mal deine zahnlose Fresse du Wicht! Die Eltern haben die Sitze nach hinten geklappt, Augenklappe und Ohropax sind montiert. Die einzigen die mit dem Geschrei kein Problem zu haben scheinen sind also diejenigen, die den Störenfried in die Welt gesetzt haben – prima!
Da der Flug ansonsten sehr ruhig verläuft bestelle ich mir ein „Budweiser“ für die Nerven. Normalerweise ist Alkohol bei mir während des Fluges tabu aber was soll’s? Ist irgendwie nicht das Selbe im Flieger. Vor etwa zwei Stunden sassen wir noch gemütlich auf der Polstergruppe beim Italiener an der Waterfront und schlürften ein „Perroni“. Jetzt ist es kälter, ein Kind schreit und mein „Bud“ schmeckt komisch. Dazu kommt die Meldung vom Captain, dass die Crew das Servieren einstellen, sich setzen und anschnallen soll. Es kommen angeblich heftige Turbulenzen auf uns zu. Grummel! Muss das sein? Es muss! Kurze Zeit später rüttelt es heftig. Da ich vom Fliegen sowieso nicht so begeistert bin beruhige ich mich selber und denke an den guten Rat von Stocki. „So lange die Stewardess ruhig bleibt ist alles in Ordnung.“ Hmm! Die Stewardess setzt sich, schnallt sich an und schaut sehr besorgt in den Innenraum des Fliegers – toll! Eine verkrampfte Flugbegleiterin, ein brüllendes Kind und ein warmes Bier! Welche von diesen drei Tatsachen in dem Moment die schlimmste ist, kann ich nicht so richtig beurteilen. Zum Glück ist das Rütteln schon nach wenigen Minuten vorbei. Das warme „Bud“ ist auch weg und das Kind……. Ja das schreit immer noch. 3 Filme und 4 Folgen „Simpsons“ später landen wir endlich in Dubai. So schnell wie möglich zum Irish Pub lautet die Anweisung. Rauchen, Bier trinken und die Nerven beruhigen ist angesagt. Hoffentlich ist der Säugling nicht mehr in dem Flieger nach Zürich. Sah zwar schon recht arabisch aus. Also gute Chancen, dass der Kleine hier Endstation hat und sofort zum Muhezin ernannt wird um jeweils die Gebete vom Turm herunter zu schreien! Würde mich bei der Stimme absolut nicht wundern.
Der Sicherheitscheck in Dubai ist mühsam und unverständlich. Die Metalldetektoren pfeifen ununterbrochen – ich ziehe schon Mal die Schuhe aus! Endlich gibt es Bier. Morgens um halb fünf sind zwei grosse und ein kleines Hopfentee dann aber doch etwas viel. Hui! Zum Glück steht dieses Mal der kürzere Flug an zweiter Stelle. Nur noch sechs Stunden bis Zürich. Heul! Wenigsten verläuft dieser Flug gemächlich. Die Kinder sind brav, Turbulenzen gibt es keine, alles wunderbar. Sogar die neue „Metallica“ Scheibe ist in dem Entertainmentsystem von der „Emirate Airlines“ enthalten, dazu diverse „Johnny Cash“ CD’s, mit denen man sich die Zeit vertreiben kann. Der Flug vergeht zügig und so landen wir schneller als erwartet im bewölkten Zürich. Kaum angekommen, geht es direkt zur Smokinglounge. In der Schweiz erreicht man diese nur 5 Minuten nach dem Verlassen des Fliegers. Da soll noch einer sagen unser Land sei nicht raucherfreundlich! Es lebe die Heimat! Kurze Zeit später haben wir auch schon unser Gepäck. Die Giraffen waren nicht auf dem Förderband. Ein gutes Zeichen? Von wegen. Die Souvenirs kommen zwar an einem separaten Schalter an. Dieser ist jedoch treffend mit „Sperrgut“ beschriftet. Wenn man jetzt noch Sperrgut durch Sperrmüll ersetzt hat man eine ziemlich genaue Beschreibung über den Zustand der Giraffen. Die Andenken sind komplett im Eimer, total zerbrochen und so richtig im Arsch. Dass keine Tränen fliessen ist ein Wunder, aber anhand der fünf Grad unter Null angebracht. Die salzigen Wangenbefeuchter wären sowieso auf der Stelle eingefroren. Schade! Die ganzen Verhandlungen am Markt also um sonst. Die Ladies tragen es mit Fassung.
Am Flughafen holen uns die Kollegen ab. Beni Sax, Hardy’s-Ruth und ein Arbeitskollege von Stocki, ebenfalls ein Beni, warten schon vor der Halle. Es ist verdammt kalt am Flughafen! Der Rechtsverkehr und der Schnee machen uns zu schaffen. Vor ein paar Stunden waren wir noch auf der Terrasse bei 25 Grad, jetzt sind es 30 Grad weniger. Fröstel! Die einstündige Fahrt von Zürich nach Sursee kommt uns vor wie ein Katzensprung. Im Hardy’s nehmen wir ein paar Bierchen und schwatzen mit den Kumpels aus der Schweiz. „The Boys Are Back In Town“ würde jetzt passen, läuft aber nicht. Schön wieder hier zu sein! Ich persönlich würde aber sofort wieder in einen Flieger nach Südafrika steigen. War genial! Die Landschaft, die Leute vor Ort und unsere friedliche Reisegruppe, die zwar nicht extrem auf den Putz gehauen, dafür aber viel unternommen und erlebt hat.
Nach drei Wochen Afrika ohne Magenprobleme kommt es am nächsten Morgen schon wieder dünn aus der Rosette geschossen. Muss wohl irgendwie so sein – es lebe das Erdinger Weissbier! Prost!
Greaz Salim |
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